ARZNEIEN - NEBENWIRKUNGEN - WECHSELWIRKUNGEN

treten bei nahezu allen Arzneimitteln auf. Der Beipackzettel gibt Auskunft darüber, wie oft und in welchen Fällen Neben- und Wechselwirkungen auftreten.

Nebenwirkungen von Arzneimitteln laut Beipackzettel nach europäischer Klassifikation:

 sehr selten

bedeutet, wenn unter 10.000 Patienten bei weniger als einem Patienten Nebenwirkungen auftreten oder wenn nur in Einzelfällen Nebenwirkungen auftreten (< 0,01 %).

 selten

bedeutet bei einem von 10.000 Patienten
(>= 0,01 % - < 0,1 %).

 gelegentlich

bedeutet bei einem von 1.000 Patienten
(>= 0,1 % - < 1 %).

 häufig

bedeutet bei einem von 100 Patienten
(>= 1 % - < 10 %).

 sehr häufig

bedeutet bei einem oder mehr von 10 Patienten (>= 10 %). Bei der gleichzeitigen Einnahme von mehreren Arzneimitteln verschlechtert sich das Auftreten von NW überproportional

 

Bei der gleichzeitigen Einnahme von mehreren Arzneimitteln verschlechtert sich das Auftreten von Nebenwirkungen (NW) überproportional.

Auch wenn Medikamente mit bestimmten Nahrungs- oder Genussmitteln gleichzeitig eingenommen werden, kann es zu gefährlichen Nebenwirkungen oder Wechselwirkungen (Interaktionen) kommen, die den Wirkstoff einer Arznei abschwächen, stark heruntersetzen, die Wirkung (ganz) verhindern oder überproportional verstärken.. Besonders bei bevorstehenden Operationen sollte dem Arzt mitgeteilt werden, welche Heilpflanzenpräparate (z.B. Knoblauch, Ginkgo, Johanniskraut) und Medikamente eingenommen werden, damit dieser das Risiko von Neben- und Wechselwirkungen richtig einschätzen kann. Weiterhin kann der beste Rat nur lauten, jedes Arzneimittel ausschließlich mit mindestens 150 ml Leitungswasser oder kohlensäurearmem Mineralwasser in sitzender oder stehender Körperhaltung einzunehmen und die im Beipackzettel empfohlenen Einnahmevorschriften exakt zu beachten.

Unter Beachtung der Einnahmevorschriften

"vor dem Essen - v.d.E." bedeutet etwa eine halbe Stunde vor dem Essen,

"zum Essen" bedeutet etwa zur Mitte der Mahlzeit,

"unmittelbar nach dem Essen" bedeutet innerhalb der nächsten 30 Minuten nach dem Essen,

"nach dem Essen- n.d.E." bedeutet zwei Stunden nach der Mahlzeit,

"einmal täglich " bedeutet die Einnahme zur immer gleichen Zeit,

"zweimal täglich" bedeutet die Einnahme im Abstand von zwölf Stunden,

"dreimal täglich" bedeutet die Einnahme im Abstand von acht Stunden.

"1-0-1-0" ist eine Anweisung für die Tabletteneinnahme und bedeutet: morgens: eine, mittags: keine, abends: eine, vor dem Schlafen: keine.

 

Apothekenemblem

Drei-Löffel-Flasche (1929 - 1936)

Das "Drei-Löffel-Flasche"-Emblem der 20er-Jahre symbolisierte die üblicherweise dreimal tägliche Einnahmevorschrift von Arzneimitteln.

 

ist auch zu verstehen, bestimmte Tabletten unzerkaut einzunehmen. Denn diese Tabletten (in der Regel am glänzenden Überzug zu erkennen) sollen die enthaltenen Wirkstoffe erst im Darm oder über einen längeren Zeitraum freisetzen. Werden sie wegen der bequemeren Einnahme zerdrückt eingenommen, kann die Magenschleimhaut gereizt oder der Wirkstoff durch die Magensäure zerstört und damit wirkungslos werden.

 

Diese Nahrungsmittel…

…bewirken Wechselwirkungen mit folgenden, in Medikamenten enthaltenen Wirkstoffen…

Alkohol

Die Wirkung vieler Medikamente wird erheblich verstärkt.

Citrate (z.B. Obstsäfte, Wein)

Medikamente, die Aluminiumsalze enthalten. (Antazida: Mittel gegen Magenübersäuerung). Besonders gefährdet sind Patienten mit Nierenfunktionsstörungen.

Grapefruitsaft (Pampelmuse, Pomelo)

Antihistamin, Amlodipin, Felodipin, Lovastatin, Midazolam, Nifedipin, Nifedipin-Derivat, Nitrendipin, Nisoldipin, Verapamil, Lovastatin, Simvastatin, Ciclosporin, Terfenadin, Midazolam. Kalziumantagonisten und Lipidsenker.

Zusammen mit Grapefruit eingenommene Medikamente wirken um bis zu 30 % stärker. So kann beispielsweise der Blutdruck gefährlich stark absinken. In anderen Fällen kann auch eine Wirkstoffabschwächung bis zu 70 % eintreten.

Hochdosiertes Vitamin K
(z.B. Erbsen, Bohnen, Brokkoli, Spinat, Spargel, Innereien, Eigelb, Sojaöl)

Blutgerinnungsverhindernde Arzneien (Antikoagulantien), die Warfarin oder Phenprocoumon enthalten.
(Vitamin K kann die Wirkung von Medikamenten je nach Konzentration vollständig aufheben.
Die Folge: Trombosen oder Schlaganfall).

Johanniskraut
(auch: Blutkraut, Herrgottsblut wegen des blutroten Pflanzensaftes)

ab 1.200 mg pro Tag

Digoxin. Theophyllinhaltige Asthmapräparate. Blutgerinnungshemmende Arzneien eines bestimmten Typs. Wirkungsabschwächung herzstärkender Digitalismittel. Kann außerdem die Antibabypille unwirksam machen. Hierzu gibt es von wissenschaftlicher Seite allerdings widersprüchliche Aussagen.
Weiterhin können intensive Sonnenbäder/Solariumbesuche die Haut sonnenempfindlicher machen und Hautrötungen hervorrufen.

Knoblauch

Blutverdünnende Arzneimittel.

Kochsalz

Kortison. Medikamente zur Entlastung des Herzens.

Koffein- und gerbstoffhaltigen Getränke 
(z.B. Kaffee, Tee, Colagetränke)

Neuroleptika oder Psychopharmaka. Diabetesmedikamente. Beruhigungsmittel, Eisenpräparate. Antibiotika. Schlafmittel. Schmerzmittel. Homöopathische Medikamente.

Lakritz

Herzmedikamente, die Digitalisglykoside enthalten.
Diuretika (Entwässerungsarzneien)

Ab einer bestimmten Konzentration von der in Lakritz (griechisch: Süßwurz) enthaltenen Glycyrrhizinsäure oder ihrem Ammoniumsalz in Hustenmitteln, Süßwaren, Kräutertees, Getränken, Kaugummis, Kautabak müssen auf der Verpackung mit Warnhinweisen versehen sein.
Bei Süßwaren: mindestens 100 mg/kg; Getränke: mindestens 10 mg/l Enthält Süßholz"
und bei höheren Konzentrationen (Süßwaren: mindestens 4 g/kg; Getränke, die mehr als 1,2 % vol Alkohol enthalten: mindestens 300 mg/l; sonstige Getränke: mindestens 50 mg/l) - bei hohem Blutdruck sollte ein übermäßiger Verzehr dieses Erzeugnisses vermieden werden".
(Quelle: Vierte Verordnung zur Änderung der Lebensmittel-Kennzeichnungsverordnung und anderer lebensmittelrechtlicher Verordnungen vom 18. Mai 2005)

Milch, Milchprodukte
(z.B. Käse, Joghurt, Quark)

Antibiotika. Gyrasehemmer. Tetracycline. Natriumfluorid (Fluorid-Tabletten). Bisphosphonate (Osteoporose-Medikamente).
(Zwischen der Tabletteneinnahme und dem Verzehr von Milchprodukten müssen mindestens zwei Stunden liegen. Bei einer Antibiotikatherapie sollte vorsorglich über die gesamte Einnahmedauer auf Milchprodukte verzichtet werden).

Tyraminhaltige Lebensmittel
(z.B. Bohnen, Hefe, Bier, Joghurt, Käse, Salami, Salzhering, Sauerkraut)

MAO-Hemmer (Antidepressiva).

 

Die Handelsnamen von Arzneimittelpräparaten werden oft um Zusatzbezeichnungen ergänzt, die entweder den Wirkstoff, eine   Wirkstoffklasse   oder die Wirkstärke angeben. Aus dem eigentlichen Handelsnamen kann nur in Einzelfällen auf die medizinische Anwendung geschlossen werden. So weisen z.B. die Namensbestandteile "cor" (lateinisch: Herz) und "kardia" (griechisch: Herz) auf Medikamente für Herztherapien hin oder "derma" (griechisch: Haut) auf ein Medikament gegen Hauterkrankungen.

forte, fortissimum, f, mega » es sind mehr Wirksubstanzen als im Ausgangspräparat vorhanden (stärkere Konzentration).

mite, minor » Wirksubstanzen sind um etwa 50 % gegenüber dem Ausgangspräparat reduziert (schwächere Konzentration).

pico » es sind weniger Wirksubstanzen als im Ausgangspräparat vorhanden (schwächere Konzentration).

Wirkstärkenziffer z.B. 400 » bestimmt die Gewichtsangabe des enthaltenen Wirkstoffes, meistens mg oder das Volumen in ml.

I.E. (IE) » Internationale Einheit (Maßeinheit für biologische Wirkstoffe).

comp, plus, co » compositus (zusammengesetzt) Kombinationspräparat. Zusammensetzung aus zwei oder mehreren Wirkstoffen.

mono » Arzneimittel mit nur einem Wirkstoff.

akut » Arzneimittel mit schneller Wirkung.

Mups » multiple unit pellet system (eine teilbare Retardtablette zerfällt im Magen in kleine Kügelchen und passieren den Magenausgang und wird anschließend im Darm über längere Zeit hinweg aufgelöst).

ZOK » zero order kinetics (eine teilbare Retardtablette, gibt pro Zeiteinheit immer diegleiche Menge an Wirkstoffen ab).

Ret., Retard, Depot » Arzneimittel mit verzögerter Langzeitwirkung (muss seltener eingenommen werden).

Hinweis! Tabletten mit einem Retard-Uberzug dürfen, um ungewünschte Nebenwirkungen wegen der veränderten Wirkstoffabgabezeit zu vermeiden, nicht geteilt werden. Im Übrigen sollte hinsichtlich der Teilbarkeit von Tabletten der Arzt oder Apotheker vorher befragt werden. Leider werden Tabletten gelegentlich mit so genannten "Schmuckkerben" versehen, die zum Teilen verleiten.
Zu Tablettenbestandteilen siehe auch unter >>> E-Nummern - Lebensmittelzusatzstoffe

SL, S, L » kennzeichnet die Geschwindigkeit (schnell - langsam) mit der ein Arzneiwirkstoff freigesetzt wird (Bioverfügbarkeit). Eine Tablette oder ein Teil einer Tablette wird schnell aufgelöst und bewirkt einen schnellen Wirkungseintritt. Bei SL-Tabletten wird der andere Teil langsam aufgelöst und bewirkt eine lange Wirkungsdauer.

EDO® » Ein-Dosis-Ophtiole (Behältnis für Augentropfen).

N » kennzeichnet in der Regel ein Medikament mit einer neuen geänderten Wirkstoffzusammensetzung. Die Wirkung ist gegenüber der ursprünglichen Zusammensetzung genauso oder weicht nur unbedeutend ab.

N 1 » kleinste Packungsgröße (Packungen für kurze Anwendungsdauer oder Verträglichkeitstests)

N 2 » mittlere Packungsgröße (Packungen für mittlere Anwendungsdauer)

N 3 » Großpackung (Packungen für längere Anwendungsdauer wie chronische Erkrankungen)

OP » Originalpackung oder Originalpräparat (so genannte Nachahmerpräparate werden nach Ablauf des Patentschutzes von Originalpräparaten als "Generika" bezeichnet. Diese enthalten die gleichen Wirkstoffe und sind von gleicher Qualität wie das "OP").

liq » liquidus (flüssig)

dil » dilutus (verdünnt)

sicc » siccatus (getrocknet)

nat » naturalis (natürlicher Inhaltsstoff)

sine » ohne Konservierungsmittel

Emul » emulsion (Emulsion)

Gtt » gutta (Tropfen)

Lin » linimentum (Einreibung)

Lot » lotio (Schüttelmixtur)

Pulv » pulvis (Pulver)

Sol » Solutio (Lösung)

Supp » Suppositoria (Zäpfchen)

Susp » suspensio (Suspension)

Tct » Tinctura (Tinktur)

Ungt » Unguentum (Salbe)

Symbol für Amphetamine » Phamazeutisches Symbol zur Kennzeichnung von Amphetaminen, Heroin, Morphium und ähnlichen narkotisierende Medikamente mit hohem Abhängigkeitspotential und Gefahr der Überdosierung.

Symbol für Barbiturate »  Phamazeutisches Symbol zur Kennzeichnung von Barbituraten wie Schlaf- und Beruhigungsmittel oder Aufputschmittel mit Abhängigkeitspotential.
 

Placebos » (lat.: "Ich werde gefallen". Wirkstofffreie Scheinmedikamente)
Einem Patienten verabreichte Scheinmedikamente setzen einen Selbstheilungsprozess in Gang, sofern dieser von der wirkstofffreien Substanz nichts weiß. Neben ärztlicher Zuwendung oder einem spontanen Selbstheilungsverlauf scheinen noch andere, wissenschaftlich noch nicht ergründete Vorgänge und Maßnahmen den Plecoboeffekt zu erklären.

Kurioserweise wirken mittelgroße Tabletten schlechter als sehr kleine oder sehr große Tabletten. Rote Tabletten wirken eher als Weiße. Beruhigungstabletten wirken in der Farbe Blau am optimalsten. Bei Angstzuständen sind grüne Tabletten am wirksamsten. Im Vergleich zu eingenommenen Medikamenten wirken Spritzen besser. Und werden diese von einem Arzt gesetzt, tritt der Heilungserfolg eher ein als von einer Krankenschwester gesetzt.

Bei Schmerzempfindungen wurde bereits nachgewiesen, dass Placebos die Ausschüttung von körpereigenen Endorphinen (morphinartige Eiweißstoffe mit schmerzstillender Wirkung) bewirken und somit Schmerzempfindungen herabsetzen. Dem Patienten muss nur gesagt werden, dass ihm ein wirksames Schmerzmittel verabreicht wird.

Off-Label-Use » Das sind Fertigarzneimittel, die außerhalb der zugelassenen bzw. genehmigten Anwendung vom Arzt verschrieben werden. Zu dieser Therapiealternative greift er immer dann, wenn keine geeigneten Medikamente für ein bestimmtes Krankheitsbild entwickelt wurden, jedoch dieses Medikament den Heilungsprozess einer Krankheit außerhalb der genehmigten Anwendung positiv beeinflusst.

 

Der Arzt verwendet unterschiedlich gefärbte Rezeptvordrucke. Sie geben Auskunft über den Gültigkeitszeitraum innerhalb dem ein Rezept einzulösen ist.

Rot:

Ein rotes Rezept ist innerhalb eines Monats einzulösen und gilt für verschreibungspflichtige Medikamente, die von den gesetzlichen Krankenversicherungen (GKV) unter Abzug eventueller Selbstbeteiligungen erstattet werden.
(gesetzlich gilt entsprechend der Arzneimittelverschreibungsverordnung bei fehlender Angabe der Gültigkeitsdauer eine Einlösungsfrist von drei Monaten)

Gelb

Auf gelben Rezepten werden starke Schmerz- und Betäubungsmittel verschrieben. Die Einlösungsfrist beträgt nur sieben Tage.
 
Blau

Blaue Rezepte sind privatärztlichen Verordnungen vorbehalten - insbesondere für Versicherte von privaten Krankenversicherungen (PKV). Diese Rezepte sind drei Monate ab dem Ausstellungsdatum gültig.
 
Grün

Grüne Rezepte gelten zeitlich unbegrenzt, da diese für nichtverschreibungspflichtige beziehungsweise vom Arzt empfohlene Medikamente verwendet werden. Sie erfüllen die Funktion eines Merkzettels.

 

Notdienst-Apotheke per Handy abfragen

So ermitteln Sie deutschlandweit per Handy die nächstgelegene Notdienst-Apotheke:

Senden Sie eine SMS mit dem Kennwort "Apo" an 8 60 00.
Daraufhin erhalten sie per SMS die ihrem Standort  zwei nächstgelegenen Notdienst-Apotheken (Kosten: 0,99 € pro SMS-Anfrage).
Die Standortermittlung beruht auf dem LB-Service (LBS =Location Based Service)

Weitere Notdienst-Apotheken-Abfragedienste unter www.aponet.de

 

Alle Hinweise auf dieser Seite dienen nur der allgemeinen Information und geben keine Therapieempfehlungen!

 

 

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