TEXTILFASER-KENNZEICHNUNG
Um den Verbraucher vor irreführenden Begriffen zu schützen, hat der Gesetzgeber definiert, was unter den einzelnen Faserarten zu verstehen ist. Hinsichtlich der Kennzeichnung wird vorgeschrieben, dass ein Textilerzeugnis mit den Gewichtsanteilen der verwendeten textilen Rohstoffe in Prozent des Nettotextilgewichts anzugeben ist. Besteht ein Textilerzeugnis aus mehreren Fasern, so sind diese in absteigender Reihenfolge ihres Gewichtsanteils zu benennen. Eine Ausnahme besteht, wenn in einem textilen Produkt bereits 85 % einer einzelnen Faserart enthalten ist, dann reicht die Angabe "85 % Mindestgehalt".
1. Wolle
für Fasern vom Fell des Schafes (Ovis aries). Die Bezeichnung Wolle darf auch zur Benennung eines Gemischs aus Fasern von der Schafschur und aus Haaren der unter Nummer 2 aufgeführten Tiere verwendet werden
2. Alpaka, Lama, Kamel, Kaschmir, Mohair, Angora(-Kanin), Vikunja, Yak, Guanako, Biber, Kaschgora, Fischotter
mit oder ohne zusätzliche Bezeichnung Wolle oder Haar für Haare nachstehender Tiere: Alpaka, Lama, Kamel, Kaschmirziege, Angoraziege, Angorakaninchen, Vikunja, Yak, Guanako, Kaschgoraziege (Kreuzung zwischen Kaschmirziege und Angoraziege), Biber, Fischotter
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Alpakas sind lamaähnliche Nutztiere,
die in Peru und Chile gezüchtet werden. |
3. Haar
mit oder ohne Angabe der Tiergattung (z.B. Rinderhaar, Hausziegenhaar, Rosshaar) für Haare von verschiedenen Tieren, soweit diese nicht unter den Nummern 1 und 2 genannt sind
4. Seide
für Fasern, die ausschließlich aus Kokons seidenspinnender Insekten gewonnen werden
5. Baumwolle
für Fasern aus den Samen der Baumwollpflanze (Gossypium)
6. Kapok
für Fasern aus dem Fruchtinneren des Kapok (Ceiba pentandra)
7. Flachs oder Leinen
für Bastfasern aus den Stängeln des Flachses (Linum usitatissimum)
8. Hanf
für Bastfasern aus den Stängeln des Hanfes (Cannabis sativa)
9. Jute
für Bastfasern aus den Stängeln des Corchorus olitorius und Corchorus capsularis sowie Fasern aus Hibiscus-cannabinus, Hibiscus sabdariffa, Abutilon avicenniae, Urena lobata, Urena sinuata
10. Manila
für Fasern aus den Blattscheiden der Musa textilis
11. Alfa
für Fasern aus den Blättern der Stipa tenacis-sima
12. Kokos
für Fasern aus der Frucht der Cocos nucifera
13. Ginster
für Bastfasern aus den Stängeln des Cytisus scoparius oder des Spartium junceum
14. Ramie
für Fasern aus dem Bast der Boehmeria nivea und der Boehmeria tenacissima
15. Sisal
für Fasern aus den Blättern der Agave sisalana
16. Sunn
für Fasern aus dem Bast der Crotalaria juncea
17. Henequen
für Fasern aus dem Bast der Agave Fourcroydes
18. Maguey
für Fasern aus dem Bast der Agave Cantala
19. Acetat
für Fasern aus Zellulose-Acetat mit weniger als 92 vom Hundert jedoch mindestens 74 vom Hundert acetylierter Hydroxylgruppen
20. Alginat
für Fasern aus den Metallsalzen der Alginsäure
21. Cupro
für regenerierte Zellulosefasern nach dem Kupfer-Ammoniak-Verfahren
22. Modal
für nach einem geänderten Viskoseverfahren hergestellte regenerierte Zellulosefasern mit hoher Reißkraft und hohem Modul in feuchtem Zustand
23. Regenerierte Proteinfaser
für Fasern aus regeneriertem und durch chemische Agenzien stabilisiertem Eiweiß
24. Triacetat
für aus Zellulose-Acetat hergestellte Fasern, bei denen mindestens 92 vom Hundert der Hydroxylgruppen acetyliert sind
25. Viskose
für bei Endlosfasern und Spinnfasern nach dem Viskoseverfahren hergestellte regenerierte Zellulosefasern
26. Polyacryl
für Fasern aus linearen Makromolekülen, deren Kette aus mindestens 85 Gewichtsprozent Acrylnitril aufgebaut wird
27. Polychlorid
für Fasern aus linearen Makromolekülen, deren Kette aus mehr als 50 Gewichtsprozent chloriertem Olefin (z.B. Vinylchlorid, Vinylidenchlorid) aufgebaut wird
28. Fluorfaser
für Fasern aus linearen Makromolekülen, die aus aliphatischen Fluor-Kohlenstoff-Monomeren gewonnen werden
29. Modacryl
für Fasern aus linearen Makromolekülen, deren Kette aus mehr als 50 und weniger als 85 Gewichtsprozent Acrylnitril aufgebaut wird
30. Polyamid oder Nylon
für Fasern aus synthetischen linearen Makromolekülen, deren Kette sich wiederholende Amidbindungen aufweist, von denen mindestens 85 vom Hundert an lineare aliphatische oder zykloaliphatische Einheiten gebunden sind
31. Aramid
für Fasern aus linearen synthetischen Makromolekülen mit aromatischen Gruppen, deren Kette aus Amid- oder Imidbindungen besteht, von denen mindestens 85 vom Hundert direkt an zwei aromatische Kerne gebunden sind und deren Imidbindungen, wenn vorhanden, die Anzahl der Amidbindungen nicht übersteigen dürfen
32. Polyimid
für Fasern aus synthetischen linearen Makromolekülen, deren Kette sich wiederholende Imideinheiten aufweist
33. Lycocell
für durch Auflösungs- und Spinnverfahren in organischem Lösungsmittel hergestellte regenerierte Zellulosefasern ohne Bildung von Derivaten
34. Polyester
für Fasern aus linearen Makromolekülen, deren Kette zu mindestens 85 Gewichtsprozent aus dem Ester eines Diols mit Terephtalsäure besteht
35. Polyäthylen
für Fasern aus gesättigten linearen Makromolekülen nicht substituierter aliphatscher Kohlenwasserstoffe
36. Polypropylen
für Fasern aus linearen gesättigten aliphatischen Kohlenwasserstoffen, in denen jeder zweite Kohlenstoff eine Methylgruppe in isotaktischer Anordnung trägt, ohne weitere Substitution
37. Polyharnstoff
für Fasern aus linearen Makromolekülen, deren Kette eine Wiederkehr der funktionellen Harnstoffgruppe (NH-CO-NH) aufweist
38. Polyurethan
für Fasern aus linearen Makromolekülen, deren Kette eine Wiederkehr der funktionellen Urethangruppen aufweist
39. Vinylal
für Fasern aus linearen Makromolekülen, deren Kette aus Polyvinylalkohol mit variablem Acetalisierungsgrad aufgebaut wird
40. Trivinyl
für Fasern aus drei verschiedenen Vinylmonomeren, die sich aus Acrylnitril, aus einem chlorierten Vinylmonomer und aus einem dritten Vinylmonomer zusammensetzen, von denen keines 50 vom Hundert der Gewichtsanteile ausweist
41. Elastodien
für elastische Fasern, die aus natürlichem oder synthetischem Polyisopren bestehen, entweder aus einem oder mehreren polymerisierten Dienen, mit oder ohne einem oder mehreren Vinylmonomeren, und die, unter Einwirkung einer Zugkraft um die dreifache ursprüngliche Länge gedehnt, nach Entlastung sofort wieder nahezu in ihre Ausgangslage zurückkehren
42. Elasthan
für elastische Fasern, die aus mindestens 85 Gewichtsprozent von segmentiertem Polyurethan bestehen und die, unter Einwirkung einer Zugkraft um die dreifache ursprüngliche Länge gedehnt, nach Entlastung sofort wieder nahezu in ihre Ausgangslage zurückkehren
43. Glasfaser
für Fasern aus Glas
44. Metall (metallisch, metallisiert), Asbest, Papier
mit oder ohne Zusatz Faser oder ohne Zusatz Faser oder Garn als Beispiel für Fasern aus verschiedenen und neuartigen Stoffen, die vorstehend nicht aufgeführt sind.
45. Elastomultiester
für Fasern, die durch die Interaktion von zwei oder mehr chemisch verschiedenen linearen Makromolekülen in zwei oder mehr verschiedenen Phasen entstehen (von denen keine 85 Gewichtsprozent übersteigt), die als wichtigste funktionale Einheit Estergruppen enthält (zu mindestens 85%) und die nach geeigneter Behandlung nach einer Dehnung um die anderthalbfache ursprüngliche Länge sofort wieder nahezu in ihre Ausgangslage zurückkehrt, wenn sie entlastet wird.“
46. Elastolefin
für Fasern aus mindestens 95 Gewichtsprozent Makromolekülen, zum Teil quervernetzt, zusammengesetzt aus Ethylen und wenigstens einem anderen Olefin, und die, unter Einwirkung einer Zugkraft um die anderthalbfache ursprüngliche Länge gedehnt, nach Entlastung sofort wieder nahezu in ihre Ausgangslage zurückkehren.
Quelle: Bundesgesetzblatt Teil I Nr. 30 vom 26.5.1998 Seite 1142 ff, incl. letzter Änderung vom 27.11.2007
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Angorawolle, die Haare des Angorakaninchens, wird in Deutschland zusätzlich in fünf Klassen eingeteilt: Klasse 1: reinweiß, vollkommen sauber, unverworren, mindestens 6 cm lang; Klasse 2: reinweiß, vollkommen sauber, unverworren, unter 6 cm lang, jedoch mindestens 3 cm lang; Klasse 3: reinweiß, vollkommen sauber, unverworren, weniger als 3 cm lang; Klasse 4: weiß, vollkommen sauber, verfilzt und verworren; Klasse 5: weiß, verfilzt, verworren, verunreinigt und/oder mit Fremdkörpern durchsetzt. |