V-U-L - WIRTSCHAFTSTRENDS
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Mit diesen Blockbuchstaben versuchen Wirtschafts- und Finanzanalysten den weiteren Verlauf der US-Konjunktur aufgrund von länger anhaltenden Trends vorherzusagen und zu beschreiben. Einer V, U oder L-förmigen Wirtschaftsentwicklung, folgt erfahrungsgemäß mit etwas Verzögerung der Aktienmarkt. Somit ist die Voraussage dieser Konjunkturentwicklung gleichzeitig ein Börsenindikator. Und das, was in der Wall Street geschieht, hat meist Einfluss auf die Kursentwicklung an deutschen Börsenplätzen. |
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| V Einem steilen Abschwung folgt ein ebenso steiler Anstieg. |
U Zwischen Ab- und Aufschwung liegt eine längere Stagnationsphase auf niedrigem Niveau. |
L Einem steilen Abschwung folgt eine lange Depressionsphase mit unterdurchschnittlichem Wachstum. Eine Erholung ist nicht in Sicht. |
Losgelöst von wissenschaftlich, empirisch erhoben und verarbeiteten Untersuchungen, scheint eine Konjunkturvorhersage nach einem Artikel in der Süddeutschen Zeitung (Nr. 295 vom 22./23.12.2001) bedeutend einfacher und doch aussagefähig genug und zutreffend zu sein.
„Todeskuss für die Wirtschaft (Von Markus Preiß)Nun liegt er vor, der eindeutige Beweis: Die Weltwirtschaft geht einer langen, schweren Rezession entgegen. Und nicht Weltbank, Währungsfonds oder renommierte Wirtschaftsforscher haben diesen Beweis erbracht, sondern der New Yorker Kosmetik-Konzern Estee Lauder. Seine Zahlen lassen keinen Zweifel mehr: Einen baldigen Konjunkturaufschwung kann sich die Welt abschminken. Denn die Frauen kaufen Lippenstifte, was das Zeug hält.
Historische Daten aus der Weltwirtschaftskrise in den 20er Jahren und der Rezession Anfang der 90er Jahre setzen die Fakten ins rechte Licht und bestätigen den ungewöhnlichen Zusammenhang: Wenn Frauen den Lippenstift ansetzen, geht es abwärts mit der Wirtschaft. Diese These bestätigt nun auch die jüngste Erhebung des US-Kosmetik-Riesen. Seit dem 11. September zeigt der Estee Lauder Leading Lipstick Index, der den Lippenstift-Absatz aller Marken des Konzerns zusammenfasst, steil nach oben. Die zum Konzern gehörende Marke Origins verkaufe seit Mitte September doppelt so viele Lippenstifte wie sonst, teilt uns die Firma mit. Bei der Tochterfirma Mac würden inzwischen sogar Sonderschichten gefahren, um die Nachfrage decken zu können. Kein Zweifel also, es geht abwärts mit der Konjunktur. Erschwerend kommt hinzu, dass auch noch ein weiteres Krisen-Kriterium erfüllt ist: Je roter der Stift, desto tiefer die Krise -und die Farbe Indian Red - ein knalliges Rot - ist zur Zeit der Renner.
Warum aber greifen Frauen in Zeiten einer Wirtschaftskrise zum Lippenstift? Das ist ganz einfach zu erklären, meinen die Kosmetiker. "Wenn Frauen kein Geld für neue Kleider oder teure Schuhe ausgeben wollen oder können, dann doch wenigstens für Lippenstift", sagt Lauder-Chef Leonard Lauder. Eine Weisheit, die auch dem Konkurrenten Revlon bekannt ist: "On a bad day - there's always a lipstick" heißt ein Werbe-Slogan. "Mit einem Lippenstift haben Frauen das Gefühl, sich etwas gegönnt zu haben", beschreibt Lauder den Erfolg des relativ billigen Lippenstifts in schlechten Zeiten. Dank der Farbe auf den Lippen fühlten sie sich schnell gut. Wer also nach Zeichen für einen Aufschwung sucht, sollte in nächster Zeit den Frauen genau auf den Mund schauen.“
Das Ganze erinnert an die Feststellungen des amerikanischen Wirtschaftswissenschaftlers George Taylor, der einen Zusammenhang zwischen kürzer werdenden Röcken und wirtschaftlicher Expansion sah (Hemline-Index,1926). Getreu dem Motto "Aktien hoch = Röcke und Absätze hoch".
"Hemline"=
englisch für „Saum“.


