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Lexikon der Codes - Symbole - Kurzzeichen


MYTHEN - IRRTÜMER - HALBWAHRHEITEN

 

Mythen, Alltagsweisheiten und Volksweisheiten halten sich hartnäckig. Es gibt zweifellos überlieferte Ratschläge, die tatsächlich nützlich und aus medizinischer Sicht sinnvoll und manchmal Arzneien sogar überlegen sind. Honig gegen Hustenreiz oder Hühnersuppe gegen Erkältungssymptome sind hierfür gute Beispiele.

Dann sind da aber noch die vermeintlich guten Ratschläge, die angeblich seit Alters her gelten und immer geholfen haben sollen - manchmal jedoch mit fatalen Folgen. In der folgenden beispielhaften Aufstellung wird mit einigen dieser Mythen aufgeräumt.

 

Auf Obst (besonders Steinobst) kein Wasser trinken, sonst platzt der Bauch. In früheren Zeiten mag es vielleicht gegolten haben, dass es nach dem Genuss von beispielsweise Kirschen und anschließend getrunkenem Brunnenwasser zu Magen- Darmverstimmungen kam. Es wird vermutet, dass eher die nach heutigen Maßstäben vorliegende hygienisch gute Trinkwasserqualität seinerzeit zu Wünschen übrig ließ.
Die auf der ungewaschenen Obstschale anhaftenden Hefen, Pilze oder Bakterien stellen jedenfalls für die Magensäure kein Problem dar. Ein Glas Wasser nach dem Verzehr von Steinobst schadet sicherlich nicht und der Bauch explodiert auch nicht.
Austern dürfen nur in Monaten in denen ein "r" vorkommt verzehrt werden. Link Austern-Mythos
Bei einem Gewitter lautet der vermeintlich gute Ratschlag
"Buchen sollst du suchen - Eichen sollst du weichen".
Wer diesen Ratschlag befolgt, erhöht die Wahrscheinlichkeit, erst recht vom Blitz getroffen zu werden.
Das gilt ganz besonders bei allein stehenden Bäumen.
Blitze entladen sich auf dem kürzesten Weg und schlagen daher bevorzugt in die höchstgelegenen Punkte ein. Unter einem Baum kann auch noch in mehreren Metern Entfernung vom Stamm der Blitz lebensgefährliche Auswirkungen haben.
Beim absichtlichen Schielen bleiben die Augen stehen. Das ist nicht richtig, es sieht nur lustig aus und ist ungefährlich, aber anstrengend.
Beim Verschlucken von giftiger Flüssigkeit Milch trinken, die neutralisiert das Gift. Beim Verschlucken giftiger Flüssigkeiten bewirkt das Trinken von Milch unter Umständen Verklumpungen oder andere nicht vorhersehbare negative Folgen. Daher raten Ärzte grundsätzlich davon ab, Milch nach verschluckten giftigen Flüssigkeiten zu trinken.
Am besten sofort bei einer Giftnotrufzentrale nachfragen, was unternommen werden soll.
Brauner Zucker ist gesünder als weißer Zucker. Stimmt nicht. Warum? Im Fertigungsprozess wird die Zuckermasse solange bearbeitet (Fachsprache: aufgereinigt) bis aus scheinbar gesund aussehendem braunem Zucker letztendlich als höchster Reinheitsgrad weißer Zucker (Raffinade) entsteht. Der Zucker ist nur deshalb braun, weil noch Sirupreste enthalten sind. Außerdem verursacht die noch enthaltene Restfeuchte einen schnelleren Verderb und kann somit nicht allzulange gelagert werden.
Somit bestehen hinsichtlich Energiegehalt und Zahngesundheit keine Unterschiede.
Der Volksmund kennt die goldene Regel: Bier auf Wein, das lass' sein - Wein auf Bier, das rat' ich dir. Auch hier gab es schon unterschiedliche Untersuchungen mit wissenschaftlichen Hintergrund und keine konnte diese Regel bestätigen.
Somit kommt es nicht auf die Reihenfolge unterschiedlicher alkoholischen Getränke an, sondern nur auf die insgesamt zugeführte Alkoholmenge.
Eier mit brauner Schale sind gesünder als solche mit weißer Schale. Stimmt nicht. Die Farbe der Eierschale ist auf die jeweilige Hühnerrasse zurückzuführen und hat ernährungsphysiologisch keine Bedeutung.
Ein schwarz anlaufender Silberlöffel (oder Zwiebel) deutet auf Giftpilze hin.

Wer Pilze sammelt sollte fundierte Kenntnisse besitzen und sich nicht auf vermeintlich gute Ratschläge wie den vom mitgekochten anlaufenden Silberlöffel verlassen. Das Anlaufen eines Silberlöffels beruht auf die enthaltenen Schwefelwasserstoffe, die übrigens auch in vielen anderen Lebensmitteln vorkommen wie Eier oder Fisch.
Und beim häufig in unseren Wäldern vorkommenden hochgiftigen Knollenblätterpilz versagt die Silberlöffelprobe gänzlich und birgt somit gravierende gesundheitliche Folgen in sich, über schwere Nierenschäden bis hin zum Tod.
Ein Silberlöffel hält den Inhalt einer angebrochene Sektflasche prickelnd frisch. Es hat nicht den geringsten Frischhalteeffekt, wenn ein Silberlöffelstiel in den Flaschenhals einer angebrochenen Sektflasche gesteckt wird.
Um das enthaltenen Kohlendioxid möglichst lange zu bewahren hilft nur, die Flasche umgehend kalt zu stellen und mit einem dichtenden Verschlussstopfen zu versehen, der das sich allmählich lösende Kohlendioxid zurückhält.
Ein voller Bauch studiert nicht gern. Diese Weisheit wird dadurch begründet, dass nach einem üppigen Essen, die Blutzufuhr verstärkt für die anstehende Verdauung im Magen- Darmbereich benötigt wird und dem Gehirn weniger "Ressourcen" zur Verfügung stehen. Ein Müdigkeitseffekt stellt sich ein.
Eine Brandwunde muss mit Mehl bestreut oder mit Butter oder Pflanzenöl aus der Küche eingerieben werden. Nicht nur falsch, sondern wegen der Verkeimungs- und Verklebungsgefahr auch gefährlich.
Bei leichten Verbrennungen ist es sinnvoll, diese mit handwarmen Wasser von etwa 15 °C - 30 °C (Unterkühlung vermeiden! Keine Eispackung!) einige Minuten zu kühlen um einen Hitzestau im Gewebe zu vermeiden.
Schwere oder großflächige Verbrennungen mit verletzter Hautoberfläche für den Transport oder bis zum Eintreffen des Arztes mit einem sterilen Tuch aus dem Verbandskasten abdecken.
Karotten sind gut für die Augen. Ja, ist zwar wegen des enthaltenen Beta-Karotins (Vitamin-A-Vorstufe) richtig, aber andere Gemüsesorten und andere Lebensmittel enthalten oft deutlich mehr davon und sind dann genauso gut oder noch besser für die Sehkraft, besonders für das Nachtsehen, geeignet. Auf Kurz- oder Weitsichtigkeit haben Vitamine keinen Einfluss.
Lesen bei schlechtem Licht schadet den Augen. Möglicherweise wird bei unzureichender Beleuchtung das Lesen erschwert und ist anstrengend aber es führt zu keinen Erkrankungen. Tagtägliches Lesen bei schlechten Lichtverhältnissen kann mit der Zeit allerdings Auswirkungen auf das Scharfsehen in der Ferne (Kurzsichtigkeit) haben.
Spinat enthält besonders viel Eisen und ist gut für die Knochen und wichtig für’s Wachstum. Es hält sich hartnäckig der Mythos, es handele sich um einen Dezimalstellenfehler. Naheliegender ist die Aussage, dass der Eisengehalt von getrocknetem und frischem Spinat falsch interpretiert wurde. Getrockneter Spinat hat in der Tat einen deutlich höheren Eisengehalt.
Tatsache ist, dass Spinat ähnlich viel Eisen enthält wie andere Gemüsearten und daher keine so herausragende Rolle spielt. Kinder und Jugendliche wurden somit wider besseren Wissens mit dem Verzehr von Spinat umsonst geplagt.
Beispiele für jeweils 100 g folgender Gemüsearten:
Erbsen (5,0 mg), Spinat (3,8 mg), Portulak (3,6 mg), Schwarzwurzel (3,3 mg),Fenchel (2,7 mg), Grünkohl (1,9 mg), Rosenkohl (1,0 mg), Rote Beete (0,9 mg), Wirsing (0,55 mg), Blumenkohl (0,54 mg), Möhren (0,38 mg) (Quelle der Eisengehalts-Werte: DGE)
Und jetzt noch ein Verdauungsschnäpschen. Besonders nach fettreicher Essenzufuhr wird zum krönenden Abschluss gerne ein Verdauungsschnaps genossen, der seit eh und je die Verdauung der schwer im Magen liegenden Kost unterstützen soll.
Wenn auch ein Schnäpschen für ein als angenehm empfundenes Entspannungsgefühl sorgt, so soll nach wiederholten Untersuchungen das geliebte Schnäpschen eher das Gegenteil bewirken. Der enthaltene Alkohol verzögert demnach sogar den Verdauungsprozess.
Danach gilt: Je mehr Alkohol jemand insgesamt, also auch während der Nahrungszunahme zu sich nimmt, umso langsamer wird die Nahrung verdaut.
Wie die Nase des Mannes, so sein Johannes. Es gibt nicht die geringste Bestätigung für diese Annahme, dass die Nasengröße auf die Penislänge schließen lässt.