HANDELSKLASSEN - OBST & GEMÜSE

In den Bestimmungen der EU-Vermarktungsnormen für frisches Obst und Gemüse, hat der Gesetzgeber zwecks besserer Marktübersicht und zum Schutz des Verbrauchers bestimmte Obst- und Gemüsesorten vor minderwertiger Ware in Güteklassen bindend festgelegt:

Gemeinsame Merkmale aller Klassen (Mindestgüteeigenschaften):

ganz, fest, gesund, sauber, Rückstände an Pflanzenschutzmitteln sind auf ein unbedenkliches Maß begrenzt, frei von fremden Geruch und Geschmack, frei von Schädlingen, frei von Schäden durch Schädlinge, frei von übermäßiger Feuchtigkeit, genügend entwickelt, ausreichend reif.
Die Verpackung muss zum Schutz der Erzeugnisse stabil und haltbar sein.

 

Im Rahmen der Entbürokratisierung, das Für und Wider wird kontrovers diskutiert, gelten derzeit (Stand 4/2010) nur noch folgende EU-Güteklassen (Vermarktungsnormen) für dieses Obst und Gemüse:

Äpfel, Zitrusfrüchte, Kiwis, Salate, Pfirsiche, Nektarinen, Birnen, Erdbeeren, Gemüsepaprika, Tafeltrauben und Tomaten/Paradeiser.

Gemüsestand

HKL Extra

Klasse Extra
höchste Qualität;
frei von jeglichen Fehlern (ganz, glatt, fest, prall),  gut geformt, einheitliche Farbbeschaffenheit, gleiche Größe.

HKL I

Klasse I
gute Qualität;
leichte Form- und Entwicklungsfehler, leichte Farbfehler, sehr leichte Quetschungen, ausreichende Festigkeit.

HKL II

Klasse II
mittlere Qualität;
gröbere Fehler, gröbere Farbabweichungen sind zulässig. In jedem Fall sind die Mindesteigenschaften einzuhalten.


Einer GfK-Studie zufolge, wurden im Jahr 2004 Gemüse und Salate in Deutschland in folgenden %-Anteilen, bezogen auf das Gewicht, gekauft:

Platz   1 (38 %)

Kartoffeln

Platz   2 (10,3 %)

Tomaten

Platz   3 (7,1 %)

Gurken

Platz   4 (6,6 %)

Karotten/Möhren

Platz   5 (5,6 %)

Zwiebeln

Platz   6 (4,5 %)

Paprika

Platz   7 (3,2 %)

Eisbergsalat

Platz   8 (2,6 %)

Blumenkohl

Platz   9 (1,9 %)

Spargel

Platz 10 (1,6 %)

Weißkohl

 

"5 Portionen Obst und Gemüse am Tag" oder "five a day" sind von Ernährungswissenschaftlern empfohlene und ernstzunehmender Gesundheitsratschläge. Denn es wird eindeutig zu viel Fleisch und zu wenig Obst und Gemüse in den täglichen Speiseplan eingebunden.

Dass Obst und Gemüse in vielen Farben auf Bäumen bzw. Feldern wachsen hat einen eigennützigen Grund. Es sollen Fressfeinde von der Frucht abgehalten und nützliche Tiere zu Zwecken der Vermehrung angezogen werden. Für Stare ist das leuchtende Rot der Kirschen unwiderstehlich, so dass diese davon angezogen werden. Die Taktik: Frisst ein Star eine Kirsche, scheidet dieser den Kirschstein an einer anderen Stelle wieder aus und es wächst unter günstigen Bedingungen ein neuer Kirschbaum.

Und genau von diesen Farbstoffen, Geruchsstoffen, nicht zu vergessen auch den Ballaststoffen und anderen sekundären Pflanzenstoffen in den Obst- und Gemüsesorten, profitiert auch der Mensch. Diese Pflanzenstoffe zählen zu der Gruppe der sekundären Pflanzenstoffe und wirken beim Menschen antioxidativ, antimikrobiell oder stärken die Immunabwehr.
Im Vordergrund steht besonders die antioxidative Wirkung, also die Neutralisierung schädlicher Radikale in der Atemluft (z.B. krebsauslösender Feinstaub), eingelagerter Schadstoffe in der Nahrung oder schädlicher UV-Strahlung. Die antioxidative Wirkung wird in Ergänzung mit antioxidativ wirkenden Vitaminen, insbesondere dem Vitamin E, und bestimmten Mineralien (Vitamine und Mineralien sind u.a. primäre Pflanzenstoffe) zu einem großen Teil unschädlich gemacht.

Hier eine kleine Aufzählung der über 30.000 bisher bekannten aber noch nicht restlos erforschten sekundären Pflanzenstoffe und deren gesundheitlich fördernde Wirkung im menschlichen Organismus:

 

 

Sekundärer Pflanzenstoff (SPS)

Bunt  ist  gesund
Wirkung im Organismus (Vorkommen in …)

Carotinoide
(Farbstoffe)

Senken den Cholesterinspiegel, schützen vor Herzinfarkt, stärken das Immunsystem und beugen Augenerkrankungen vor.
(Besonders rote, orange, gelbe aber auch grüne Früchte wie Aprikosen, Karotten, Tomaten, Paprika, Brokkoli, Spinat, Grünkohl)

Flavonoide,
Anthozyane
(Farbstoffe)

Flavonoide hemmen das Wachstum von Bakterien und Viren und wirken entzündungshemmend. Sie schützen die Zellen vor freie Radikalen, vor Krebs und wirken vorbeugend gegen Herzinfarkt. (Alle rot, violett und blau aussehenden Obst- und Gemüsesorten, unter anderem grüner Tee, Kakao, Rotwein, Kirschen, roter Traubensaft und Zwiebeln)

Glucosinolate
(Geschmacksstoffe)

Stärken das Immunsystem und hemmen die Krebsentstehung. Beugen Bakterien- und Pilzinfektionen vor.
(In Senf, Meerrettich und Kresse bewirken sie den scharfen Geschmack. Kommt auch in einigen Kohlsorten vor)

Lycopine
(Farbstoffe)

Lycopin ist der rote Farbstoff der Tomaten und Hagebutten. Lycopine sollen besonders das Prostata- und Lungenkrebserkrankungsrisiko senken. Außerdem bieten Lycopine Schutz vor freien Radikalen. Neuere Untersuchungen lassen auch den Schluss zu, dass Lycopin die Blutgefäße elastischer macht und aufgrund dessen den Blutdruck signifikant zu senken vermag.
(In verarbeiteten Tomaten ist die höchste Lycopin-Konzentration vorhanden und vom menschlichen Organismus am optimalsten zu verwerten. Hierzu gehören besonders Dosentomaten und Tomatenmark, aber auch Tomatenketchup - bis zu 10-mal höher als in rohen Tomaten)

Phytinsäure
(Phosphatspeicher)

Phytinsäure besitzt eine antioxidative und blutzuckerspiegelsenkende Wirkung.
(Phytinsäure ist in den Randschichten des Getreides, in Hülsenfrüchten in Leinsamen und Soja enthalten)

Phytoöstrogene
(Hormone)

Phytoöstrogene schützen vor hormonabhängigen Krebsarten, wie Brust-, Gebärmutter- und Prostatakrebs. Beugt Osteoporose vor. Schwächen Wechseljahresbeschwerden ab (Wegen des hohen Verzehrs an Sojaprodukten, sind in asiatischen Ländern Wechseljahresbeschwerden und Brustkrebs deutlich niedriger als bei uns).
(Vor allem in Getreide, Hülsenfrüchten, Knoblauch, Rotklee und Vollkornprodukten)

Phytosterine
(pflanzliche Fette)

Senken das Darmkrebs-Erkrankungsrisiko und den Cholesterinspiegel. Sie wirken regulierend auf die Blutgerinnung.
(Sonnenblumenkerne, Sesam, Nüsse, Sojabohnen, Avocados)

Polyphenole
(Farbstoffe)

Besonders in unter der Schale von Äpfeln, Birnen und Tomaten (90 % in der Schale - 10 % im Inneren) liegen die zu den Antioxidantien zählenden roten, blauen und violetten Farbstoffe.
Sie Hemmen das Bakterien- Viren- und Pilzwachstum. Weiterhin vermögen sie das Risiko vor Herzinfarkt und Krebs zu senken.
(Vorkommen in Trauben, dunklen Weinen und Fruchtsäften, Grünem Tee)

Saponine
(Bitterstoffe)

Senken das Dickdarmkrebs-Erkrankungsrisiko und senken den Cholesterinspiegel. (Sojabohnen, Erbsen, Bohnen, Linsen, Spinat)

Sulfide
(Schwefelverbindungen)

Sulfide sind schwefelhaltige Verbindungen. Sie hemmen das Bakterienwachstum und senken den Cholesterinspiegel. Weiterhin bewirken Sulfide Schutz vor freien Radikalen. Hemmen die Blutgerinnung. Senken das Krebsrisiko.
(Vorkommen in (zerdrücktem) Knoblauch, Zwiebeln, Lauch, Spargel)

Terpene
(Duft- und Aromastoffe)

Das sind unter anderem die ätherischen Öle in Kräutern und Gewürzen. Ebenso Zitrusfrüchte, Oliven und Hopfen. Destillierte oder extrahierte Terpene werden wegen des angenehmen Geruchs, z.B. Menthol, oft als Riechstoffe in kosmetischen Produkten oder als Geschmacksstoffe verwendet. Terpene senken das Krebsrisiko und wirken antimikrobiell.
(Tomaten, Karotten, Zwiebeln, Knoblauch, Grünkohl, Zitronen, Melisse, Salbei, Pfefferminze)

 

 

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