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Lexikon der Codes - Symbole - Kurzzeichen


KÖNIGIN DES HEILS – MISTEL

Die Mistel (lat.: Viscum), volkstümlich auch Albranken, Bocksfutter, Donnerbesen, Druidenfuß, Geißkraut, Hexenbesen, Hexenkraut, Hexennest, Kenster, Kreuzholz, Vogelkraut, Vogelleimholz, Wintergrün.

Für die Einen ist die immergrüne Halbschmarotzerpflanze der Laub-, Nadel- und Obstbäume ein glücksbringender Weihnachtsschmuck, für andere eine heilsbringende Pflanze.

Die kugelförmigen, wurzellosen Gebilde sind nach dem Laubabfall deutlich in den Baumkronen von vorwiegend Pappeln, Weiden, Linden,  Robinien und Apfelbäumen zu erkennen. Die klebrigen, für den Menschen giftigen Scheinfrüchte dienen Vögeln als Nahrung. Die unverdauten Samen werden an anderer Stelle ausgeschieden und tragen so zur Vermehrung bei. Eine weitere Vermehrungsart ist auch, das Vögel nur das Fruchtfleisch fressen und die am Schnabel anhaftenden klebrigen Samen an anderer Stelle abstreifen.

Die keltischen Priester, die Druiden, waren als heilkundig bekannt und verwendeten die "Allesheilende", wie sie die Mistel nannten, als Arzneipflanze gegen viele Krankheiten, im Besonderen gegen Epilepsie, Schwindelanfälle und Unfruchtbarkeit. Und heute werden aus den Blättern Arzneimittel zur Blutdrucksenkung oder Arteriosklerose gewonnen. Einen besonderen, aber umstrittenen Platz, hat die Mistel in der alternativen Krebstherapie eingenommen. Die Vorstellung, das dem Wirtsbaum entzogenes Wasser und entzogene Nährstoffe zu dessen Absterben führe, dieser Ablauf auch auf einen Tumor übertragen werden kann, indem der Tumor ausgetrocknet wird und infolgedessen ebenfalls zum Absterben führen würde.

Mistelpräparate sollen nach Herstellerangaben nicht nur die Begleitsymptome einer Krebserkrankung erträglicher machen, sondern auch das Tumorwachstum hemmen. Besonders die letztgenannte Aussage wird in medizinischen Fachkreisen kritisch gesehen. Siehe hierzu hierzu die Misteltherapiebeurteilung in den Leitlinien zum Mammakarzinom:

6.7.2. Misteltherapie
Eine Misteltherapie verlängert das Überleben von Patientinnen mit Mammakarzinom nicht, eine Verbesserung der Lebensqualität ist nach derzeitiger Datenlage fraglich.
Sowohl die Cochrane-Analyse als auch das systematische Review von Ernst (Ernst, E et al. 2003) kommen zu der Schlussfolgerung, dass die meisten der bisher veröffentlichten Studien zur Misteltherapie nicht von ausreichender Qualität sind. Methodisch belastbare Studien zeigen keinen Effekt der Misteltherapie auf relevante Endpunkte wie Überleben. Ein Review zur Lebensqualität (Kienle, GS et al. 2010) zeigt Hinweise zur Steigerung der Lebensqualität unter Misteltherapie auf, die Daten basieren jedoch auf Studien von deutlich geringerer Qualität.

Quelle: Interdisziplinäre S3-Leitlinie für die Diagnostik, Therapie und Nachsorge des Mammakarzinoms - Version 3.0, Aktualisierung 2012 (Stand: 02.07.2012, gültig bis 30.06.2017)

Besonders in England erfreut sich der Mistelbusch großer Beliebtheit, denn dort heißt es "kein Mistelzweig - kein Glück".
So wurden früher Mistelkugeln in Ställen, Scheunen und Häusern aufgehängt um Menschen und Tiere vor bösen Geistern und bösen Träumen, aber auch vor Blitzschlag und Feuer zu beschützen. Weiterhin war es auch Brauch, Mistelzweige in Brautkränze einzuflechten damit dem Brautpaar Glück und Fruchtbarkeit zuteil werden würde. Auch wenn frisch Verlobte unter einen Mistelstrauch traten, erhoffte man sich diese wünschenswerten Eigenschaften. Viele dieser althergebrachten Bräuche werden auch heutzutage noch oder wieder praktiziert und das alles des holden Glückes wegen.

 

Königin des Heils
Königin des Heils - Die Mistel