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Lexikon der Codes - Symbole - Kurzzeichen


PFLEGEGRADE

Pflegebedürftig im Sinne des § 14 SGB XI sind Personen, die gesundheitlich bedingte Beeinträchtigungen der Selbständigkeit oder der Fähigkeiten aufweisen und deshalb der Hilfe durch andere bedürfen. Es muss sich um Personen handeln, die körperliche, kognitive oder psychische Beeinträchtigungen oder gesundheitlich bedingte Belastungen oder Anforderungen nicht selbständig kompensieren oder bewältigen können.

Die Pflegebedürftigkeit orientiert sich ausschließlich an den Beeinträchtigungen der Selbstständigkeit und den Fähigkeiten der Betroffenen und wird durch den Medizinische Dienst der Krankenversicherung (MDK) anhand eines standardisierten Punktekataloges in 6 pflegerelevanten Lebensbereichen festgestellt. Das Ergebnis der Begutachtung führt über ein Punkte- und Gewichtungssystem zu einer Einstufung in eine der 5 Pflegegrade (PG 1, PG 2, PG 3, PG 4, PG 5).

Die Betreuung pflegebedürftiger Menschen wird in der Regel von Pflegediensten, Angehörigen oder z. B. über vermittelte, polnische Pflegekräfte übernommen.

 

Pflegegrade und Leistungen pro Monat ab 2017
Pflegegrad 1 Pflegegrad 2 Pflegegrad 3 Pflegegrad 4 Pflegegrad 5
zugrunde liegende Punktzahl
aufgrund der Gutachterbewertung
(gilt nicht für Kinder 0 - 18 Monate)
12,5 bis unter 27
Gesamtpunkte
27 bis unter 47,5
Gesamtpunkte
47,5 bis unter 70
Gesamtpunkte
70 bis unter 90
Gesamtpunkte
90 bis 100
Gesamtpunkte
Beschreibung des Grades der Pflegebedürftigkeit geringe Beeinträchtigung der Selbständigkeit erhebliche Beeinträchtigung der Selbständigkeit schwere Beeinträchtigung der Selbständigkeit schwerste Beeinträchtigung der Selbständigkeit schwerste Beeinträchtigung der Selbständigkeit mit besonderen Anforderungen an die pflegerische Versorgung
Geldleistung ambulant
Pflegegeld für selbst beschaffte Pflegehilfen, auch Angehörige
- 316 € 545 € 728 € 901 €
Sachleistung ambulant
(häusliche Pflegehilfe wie ambulante Pflegeeinrichtungen)
- 689 € 1298 € 1612 € 1995 €
Entlastungsbetrag ambulant
(zweckgebunden)
bis 125 €
bis 125 € bis 125 € bis 125 € bis 125 €
Leistung bei vollstationärer Pflege 125 € 770 € 1262 € 1775 € 2005 €
Pflegehilfsmittel bei häuslicher Pflege bis 40 € bis 40 € bis 40 € bis 40 € bis 40 €
notwendige Ersatzpflege
(bis zu 6 Wochen)
Leistungen nach
§ 28a SGB XI
1612 € 1612 € 1.612 € 1.612 €
Kurzzeitpflege in einer vollstationären Einrichtung
(bis zu 8 Wochen pro Kalenderjahr)
bis zu 125 €
(Entlastungsbetrag)
bis 1612 € bis 1612 € bis 1612 € bis 1612 €
Zuschuss für Umbaumaßnahmen in Haus oder Wohnung bis 4000 €
je Maßnahme
bis 4000 €
je Maßnahme
bis 4000 €
je Maßnahme
bis 4000 €
je Maßnahme
bis 4000 €
je Maßnahme

 

In folgenden 6 Bereichen erfolgt vom MDK die Begutachtung

 

Schweregrad der Beeinträchtigung der Selbstständigkeit oder der Fähigkeiten:

● keine Beeinträchtigungen

● geringe Beeinträchtigungen der Selbständigkeit oder Fähigkeitsstörungen

● erhebliche Beeinträchtigungen der Selbständigkeit oder Fähigkeitsstörungen

● schwere Beeinträchtigungen der Selbständigkeit oder Fähigkeitsstörungen

● umfassende Beeinträchtigungen der Selbständigkeit oder Fähigkeitsstörungen.

1. Mobilität

Positionswechsel im Bett

stabile Sitzposition halten

Aufstehen aus sitzender Position und Umsetzen

Fortbewegen innerhalb des Wohnbereiches

Treppensteigen.

 

2. Kognitive und kommunikative Fähigkeiten

Personen aus dem näheren Umfeld erkennen

örtliche Orientierung

zeitliche Orientierung

Gedächtnis

mehrschrittige Alltagshandlungen ausführen oder steuern

Entscheidungen im Alltagsleben treffen

Sachverhalte und Informationen verstehen

Risiken und Gefahren erkennen

elementare Bedürfnisse mitteilen

Aufforderungen verstehen

sich an einem Gespräch beteiligen.

 

3. Verhaltensweisen und psychischen Problemlagen

Motorisch geprägte Verhaltensauffälligkeiten

nächtliche Unruhe

selbstschädigendes und autoaggressives Verhalten

Beschädigung von Gegenständen

physisch aggressives Verhalten gegenüber anderen Personen

verbale Aggression

andere vokale Auffälligkeiten

Abwehr pflegerischer oder anderer unterstützender Maßnahmen

Wahnvorstellungen

Sinnestäuschungen

Ängste

Antriebslosigkeit, depressive Stimmungslage

sozial inadäquate Verhaltensweisen

sonstige inadäquate Handlungen.

 

4. Selbstversorgung

Körperpflege (vorderen Oberkörper waschen, rasieren, kämmen, Zahnpflege, Prothesenreinigung, Intimbereich waschen, duschen oder baden - einschließlich Haare waschen)

An- und Auskleiden (Oberkörper an- und auskleiden, Unterkörper an- und auskleiden)

Ernährung (Essen mundgerecht zubereiten/Getränke eingießen Essen, Trinken)

Ausscheiden (Toilette oder Toilettenstuhl benutzen

Folgen einer Harninkontinenz bewältigen sowie Umgang mit Dauerkatheter und Urostoma

Folgen einer Stuhlinkontinenz bewältigen sowie Umgang mit Stoma)

Bestehen gravierender Probleme bei der Nahrungsaufnahme, die einen außergewöhnlich pflegeintensiven Hilfebedarf im Bereich der Ernährung auslösen (nur bei Kindern von 0- 18 Monaten).

 

5. Bewältigung von und selbständiger Umgang mit krankheits- oder therapiebedingten Anforderungen und Belastungen in Bezug auf

Medikation, Injektionen

Versorgung intravenöser Zugänge

Absaugen oder Sauerstoffgabe

Einreibungen, Kälte- und Wärmeanwendungen

Messung und Deutung von Körperzuständen

körpernahe Hilfsmittel

Verbandswechsel und Wundversorgung

Wundversorgung bei Stoma

regelmäßige Einmalkatheterisierung

Nutzung von Abführmethoden

Therapiemaßnahmen in häuslicher Umgebung

zeit- und technikintensive Maßnahmen in häuslicher Umgebung

Arztbesuche

Besuch anderer medizinischer oder therapeutischer Einrichtungen,

zeitlich ausgedehnter Besuch medizinischer oder therapeutischer Einrichtungen und Besuch von Einrichtungen zur Durchführung von Frühförderung (nur bei Kindern).

 

6. Gestaltung des Alltagslebens und sozialer Kontakte

Tagesablauf gestalten und an Veränderungen anpassen

Ruhen und Schlafen

sich beschäftigen

in die Zukunft gerichtete Planungen vornehmen

Interaktion mit Personen im direkten Kontakt

Kontaktpflege zu Personen außerhalb des direkten Umfeldes.

 

 

Die zusätzlichen Abfragen 7 und 8 werden für die Erstellung eines individuellen Versorgungsplanes erhoben und fließen nicht in die Bewertung ein und beeinflussen somit auch nicht den Grad der Pflegebedürftigkeit.

7. Außerhäusliche Aktivitäten

das Verlassen und das Fortbewegen außerhalb der Wohnung

die Nutzung öffentlicher Verkehrsmittel im Nahverkehr

das Mitfahren in einem PKW

die Teilnahme an kulturellen, religiös en oder sportlichen Veranstaltungen

der Besuch von Schule, Kindergarten, Arbeitsplatz oder einer Werkstatt für behinderte Menschen

der Besuch einer Einrichtung der Tages- oder Nachtpflege oder eines Tagesbetreungsangebotes

die Teilnahme an sonstigen Aktivitäten mit anderen Menschen.

 

8. Im Bereich der Haushaltsführung

das Einkaufen für den täglichen Bedarf

die Zubereitung einfacher Mahlzeiten

einfache und aufwändige Aufräum- und Reinigungsarbeiten einschließlich Wäschepflege

die Nutzung von Dienstleistungen

der Umgang mit finanziellen und Behördenangelegenheiten.