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ANGINA PECTORIS - KLASSIFIKATION

Mit Angina Pectoris (lat.: angina = Enge; pectus = Brust. Abk.: AP) werden anfallartig auftretende Schmerzen hinter dem Brustbein bezeichnet, die aufgrund von vorübergehenden Durchblutungsstörungen einer oder mehrerer Herzkranzgefäße (Koronare Herzerkrankung - KHK) entstehen. Der im Volksmund auch als Brustenge, Herzenge oder Herzkrampf bezeichnete Anfall dauert in der Regel einige Sekunden bis wenige Minuten und wird oft von brennenden oder einschnürenden Schmerzen begleitet.

Enrtsprechend der Nationalen VersorgungsLeitlinie, 4. Auflage, 2016, Version 1, Chronische KHK, liegt eine typische Angina Pectoris vor, wenn folgende Kriterien zutreffen:

1. einengende Beschwerden, die entweder retrosternal oder im Nacken, Schulter, Kiefer oder Arm lokalisiert sind;
2. verstärkt durch körperliche Belastung oder emotionalen Stress;
3. Besserung durch Ruhe und/oder Nitro innerhalb von fünf Minuten


Ein erhöhtes Risiko besteht vor allem bei Männern ≥ 55 Jahre und Frauen ≥ 65 Jahre, Übergewichtigen, Bluthochdruckpatienten, KHK (Koronarer Herzkrankheit), peripherer AVK (Arterieller Verschlusskrankheit), Herzinsuffizienz oder Diabetes mellitus.

Nachdem Brustschmerzen auch andere Ursachen haben können (Brustwandsyndrom, ssychogene Ursachen, Atemwegserkrankungen, Lungenembolie, Aortenstenose, u. a.) sollte auf jeden Fall eine ärztliche Abklärung erfolgen.

Wenn die Brustschmerzen üblicherweise bei körperlicher Belastung, kalten Außentemperaturen oder psychischem Stress (Belastungs-AP) auftreten, spricht man von stabiler Angina Pectoris. Eine schnelle Besserung bei einem Angina-Pectoris-Anfall bewirkt neben Ruhe das Zerbeißen einer Nitratkapsel/ Nitroglycerinkapsel. Das schnell wirkende Medikament erweitert die Herzkranzarterien und die Beschwerden klingen ab, da das Herz wieder mit ausreichend Sauerstoff versorgt wird. Nitroglycerin kann bei Bedarf übrigens auch sehr gut vorbeugend eingenommen werden, da kein Gewöhnungseffekt zu erwarten ist.

Bei einem Herzinfarkt würden bei einer Nitratgabe die Schmerzen nicht verschwinden. Diese Gefahr besteht immer bei einer instabilen Angina Pectoris (Ruhe-AP).

 

Grundsätzlich kann Angina Pectoris als Vorbote eines Herzinfarktes gedeutet werden.

 

Schmerzregionen bei Angina Pectoris

Schmerzregionen bei AP (vorne)
Schmerzregionen bei AP (vorne
Schmerzregionen bei AP (hinten)
Schmerzregionen bei AP (hinten)

Die Schweregrade der Durchblutungsstörungen (der Arzt spricht von "flusslimitierenden Koronarstenosen"), werden international nach CCS Canadian Cardiovascular Society klassifiziert.


Grad/Stadium Beschreibung der Symptome

CCS I

Querschnittsverminderung
Koronarstenose = 0 - 29 %
Normale körperliche Aktivität verursacht keine Angina Pectoris, wie Gehen und Treppensteigen.
AP kommt vor bei anstrengenden, schnellen oder ausgedehnten Anstrengungen bei der Arbeit oder in der Freizeit.

CCS II

Querschnittsverminderung
Koronarstenose = 30 - 69 %
Geringe Beeinträchtigung bei normaler Aktivität.
AP entsteht beim Spazierengehen oder raschem Treppensteigen, beim Aufwärtsgehen, Spaziergänge oder Treppensteigen nach den Mahlzeiten, bei kaltem und windigem Wetter oder unter seelischen Belastungen oder nur während der ersten Stunden nach dem Erwachen. Spaziergänge von mehr als zwei Blöcke in der Ebene und ersteigen von mehr als einer Treppe bei normaler Geschwindigkeit und unter normalen Bedingungen.

CCS III

Querschnittsverminderung
Koronarstenose = 70 - 99 %
Erhebliche Einschränkung bei normaler körperlicher Aktivität.
AP entsteht bei Spaziergängen um 1-2 Blöcken in der Ebene und ersteigen von 1 Treppe bei normaler Geschwindigkeit und unter normalen Bedingungen.

CCS IV

Querschnittsverminderung   
Koronarstenose = 100 %
 
Unfähigkeit zur Ausübung einer körperlichen Aktivität ohne Beschwerden: Angina Pectoris-Syndrom ist auch in Ruhe spürbar.
Quelle (eigene Übersetzung): Grading of angina Pectoris. Circulation 1976;54:522-3 (Canadian Cardiovascular Society)

Die Angabe der Koronarstenosen in % sind nicht Bestandteil der CCS-Einteilung und spiegeln nur eine grobe Einteilung wieder.
Eine andere, mögliche Einteilung:
CSS I < 50%, CCS II 50 - 70%; CSS III 70 - 99%; CSS IV 100%

"Alle Hinweise auf dieser Seite dienen nur der allgemeinen Information und nicht der Selbstdiagnose, geben keine Therapieempfehlungen und ersetzen keinen Arztbesuch!"