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Lexikon der Codes - Symbole - Kurzzeichen


LEDER

Mit Leder wird die von Haaren und Fleisch befreite Haut der Tiere bezeichnet, die durch verschiedene Arbeitsschritte wie dem Enthaaren, Entfleischen, Spalten, Gerben, Schleifen, Färben und Fetten dauerhaft haltbar gemacht wird. Das Leder wird je nach Art und Bearbeitung zu Möbelbezugsstoffen, Kleidung, Schuhen, Taschen, Arbeitsschutzartikel und viele anderen Produkten verarbeitet.

Mit Ausnahme von Schuherzeugnissen, existiert derzeit noch keine verpflichtende Kennzeichnung von den übrigen Ledererzeugnissen. Auf EU-Ebene sind allerdings Bestrebungen im Gange, die Kennzeichnungen in Form vom Etikettierungen bezüglich geografischer Herkunft, Tierart, Behandlungsart und anderen Merkmalen vorsehen.

Warnetikett für Chrom VI Ein erster wichtiger Schritt wurde mit der EU-Verordnung 301/2014  vom 25.3.2014 getan, die eine Beschränkung von gesundheitsschädlichen Chrom (VI)-Verbindungen in Ledererzeugnissen oder Erzeugnisse die Leder enthalten auf höchstens 3 mg/kg oder 0,0003 Gewichtsprozent seit dem 1. Mai 2015 vorsieht.

Vorwiegend wird im Gerbungsverfahren Chrom(III)-Sulfat hinzugefügt, das infolge von Oxidation zu Chrom(VI)-Verbindungen umgebildet werden kann. Durch diesen Produktionsschritt sollen die Kollagen-Untereinheiten vernetzt (cross-linking) werden um das Lederprodukt formbeständig zu machen und die Resistenz gegen mechanische Einwirkungen und Hitze erhöhen.

Bei Ledererzeugnissen mit längerem direkten Hautkontakt wie bei Schutzhandschuhen, Handschuhe, Sandalen oder Uhrarmbänder aus Leder, kann es unter Umständen bereits bei niedrigen Konzentrationen zu allergischen Reaktionen (allergische Dermatitis) kommen.

Mit    FOC   für "free of chrome" werden chromfrei hergestellte Ledererzeugnisse freiwillig gekennzeichnet.

 

IVN-Naturleder GOTS-Naturtextil IVN-zertifizierte Lederprodukte (IVN = Internationaler Verband der Naturtextilwirtschaft e. V.) verbieten unter anderem die umstrittene Chromgerbung sowie den Einsatz von formaldehydhaltigen Gerbstoffen. Erlaubt sind nur pflanzliche Gerbstoffe sowie die sogenannte "Sämischgerbung". Bei den verwendeten Färbemitteln kommen nur Farbstoffe infrage, die frei von krebserregenden aromatischen Aminen aus Azofarben sind.

 

Leder
Leder
Piktogramm bei Schuhen
Beschichtetes Leder
Beschichtetes Leder
Piktogramm bei Schuhen
Begriffsbestimmung "Leder" bei Schuherzeugnissen
Die allgemeine Bezeichnung für gegerbte Häute und Felle, deren ursprüngliche Faserstruktur im wesentlichen erhalten bleibt und durch die Gerbung unverweslich ist. Die Haare oder die Wolle können erhalten oder entfernt sein. Leder sind auch Spalte oder Teile der Haut, die vor oder nach der Gerbung abgetrennt wurden. Wenn jedoch eine mechanische oder chemische Auflösung in Fasern, kleine Stücke oder Pulver vorgenommen wird, so ist ein Material, das ohne oder mit Bindemitteln in Bahnen oder andere Formen gebracht wird, nicht Leder. Bei Leder mit einem Oberflächenüberzug aus Kunststoff oder mit einer aufgeklebten Schicht darf die aufgebrachte Schicht nicht stärker als 0,15 mm sein. Wird in zusätzlichen schriftlichen Angaben nach § 10a Abs. 1 der Ausdruck "Volleder" verwendet, so bezeichnet er Häute, die ihre ursprüngliche Narbenseite nach Entfernung der Oberhaut aufweisen, ohne daß Teile der Narbenschicht durch Schleifen, Schmirgeln oder Spalten verlorengegangen sind.

 

Begriffsbestimmung "Beschichtetes Leder" bei Schuherzeugnissen
Erzeugnis, bei dem der Oberflächenüberzug oder die aufgeklebte Schicht nicht mehr als ein Drittel der Lederstärke ausmacht, aber stärker als 0,15 mm ist.
Quelle: Bedarfsgegenständeverordnung , Anlage 11 (zu § 10a)

 

Leder - Hauteinteilung
Leder - Hauteintilung
     
Leder - Spaltung
Leder - Spaltung

Glattleder Das sind all jene Lederarten, die auf der Narbenseite (ehemalige Fellseite) verarbeitet sind. Glattleder kann glatt, genarbt oder auch neu geprägt sein. So kann Rindsleder mit einer kaum unterscheidbaren Krokodilprägung versehen werden.

Nappaleder Besonders geschmeidiges Glattleder von allen Tierarten.
Es werden unterschiedliche Oberflächenbehandlungen unterschieden:
● Naturbelassen (Anilinleder) ● leicht pigmentiert ● pigmentiert und ● geschliffen (Oberfläche glatt und ursprüngliche Struktur nicht mehr erkennbar).

Nubukleder Festes, narbenseitig leicht angeschliffenes Leder. Durch das Schleifen entsteht eine samtartige Oberfläche, die stark dem Velourleder ähnelt, aber noch feiner ist.

Spaltleder Leder, das aus der Fleischseite gewonnen wird. Die raue Oberfläche wird durch unterschiedliche Veredelungsverfahren bevorzugt zu Brandsohlen bei Schuhen, Arbeitsschutzschürzen oder Handschuhe verarbeitet.

Velourleder Wird aus der Fleischseite gewonnen. Durch Anschleifen wird es weich und geschmeidig und vielseitig einsetzbar.


Diese Tierarten werden bei der Lederherstellung bevorzugt:
Haustiere - wie das Leder von Rindern, Kälbern, Schweinen, Ziegen und Zickeln, Schafen und Lämmern, Pferden.
Wildtiere - wie das Leder von Rehen, Hirschen, Elchen, Gämsen, Antilopen, Büffel, Elefanten, Giraffen, Straußen, Rentieren.
Reptilien - wie das Leder von Schlangen, Echsen und Krokodilen.
Fische - wie das Leder von Aalen, Karpfen, Forellen, Lachsen oder Rochen.

Wildleder Samtiges Rauleder von frei lebenden Wildtieren wie Hirsch, Reh, Gämse oder Elch. Fälschlicherweise wird Velour- und Nubukleder oft als Wildleder bezeichnet.
Glacéleder sehr weiches, geschmeidiges Ziegen- oder Zickelnleder für die Herstellung eleganter Handschuhe (weiße Glacéhandschuhe).
Hinweis! Leder von Tieren, die unter das Washingtoner Artenschutzabkommen fallen, dürfen nur von nachgewiesenen Zuchttieren stammen,

 

Was für Lederarten und Behandlungsarten gibt es?

Anilinleder Hochpreisiges Vollnarbenleder, das mit transparenten Farbstoffen gefärbt wird um die natürliche Narbenstruktur voll zur Geltung zu bringen. Daher wird auch nur makellose, begrenzt zur Verfügung stehende Lederhaut verwendet.
Besondere Eigenschaften: Schmutzempfindlich, Alterungsunbeständig, direktes Sonnenlicht führt zu Ausbleichungen.

Gedecktes Leder Preiswerte Lederqualität. Durch Schleifen der Oberfläche von vorwiegend preiswertem Spaltleder entsteht eine regelmäßige Oberflächenstruktur, die mit deckenden Oberflächenpigmentierungen eine große Farbvielfalt ermöglicht.
Besondere Eigenschaften: Schmutzunempfindlich, Alterungsbeständig, tolerant gegenüber direktem Sonnenlicht, gegenüber Anilinleder insgesamt alltagstauglicher.

Kunstleder, Lederoptik Wenn auch der Begriff "Leder" in bestimmten Zusammensetzungen vorhanden ist, sollte unmissverständlich darauf hingewiesen werden, dass im vorliegenden Produkt kein echtes Leder enthalten ist.
Da in der Regel Kunststoffe wie PVC und Textilfasern verarbeitet werden, sollte der oder die verwendeten Materialien ausdrücklich benannt werden.

Faux Leather (frz.: faux = falsch) Einfach nur Kunstleder oder Lederimitat.

Textilleder Irreführender und beschönigende Begriff für Kunstleder. Dabei handelt es sich um kunststoffbeschichtetes Textilgewebe mit geprägter Lederstruktur.

Lackleder Vorwiegend chromgegerbtes Leder von Rindern oder Kälbern, dessen narbenfreie, glatte Oberfläche mit hochglänzendem Lack überzogen ist. Diese Veredelungsart neigt zu Faltenbildung und wird leicht brüchig.

Metallisiertes Leder Die Oberfläche wird mit einem glänzendem Überzug dem Metallpuder zugegeben wurde versehen oder es wird eine dünne Metallfolie aufgebracht.

Rindbox Bezeichnung für ein kräftig-rustikales glattes oder vollnarbiges Rindleder. Durch besondere Bearbeitungen wird ein antikes Aussehen (Antikleder) erreicht.

Boxcalf Zusammensetzung aus "box" für Box (kästchenförmiges Aussehen der Narbung) und "calf" für "Kalb". Fein genarbtes, hochwertiges Milchkalbsleder.

Blankleder Traditionell rein pflanzlich gegerbtes, kräftiges Rindleder von mindestens 2 mm bis 6 mm Dicke für rustikale Lederwaren. Bevorzugt für typische Sattlerarbeiten, Reitsättel, Fahrradsättel, Gürtel, Riemen, Schulranzen.

Sämischleder (Chamoisleder) Mit Tran (Fischöl) gegerbtes Leder. Meistens Hirschleder für Trachtenbekleidung.

 

Welche Haupt-Gerbverfahren gibt es?

Mineralische Gerbung Chromgerbung, Weißgerbung oder Alaungerbung, Eisengerbung

Pflanzliche Gerbung Extrakt aus gerbstoffhaltigen Blättern und Rinden. z. B. Mimosarinde (Gerber-Akazie), Fruchtschoten des Tara-Baumes, Quebrachoholz

Kombinationsgerbung Pflanzliche und mineralische Gerbungen werden kombiniert.

Sämischgerbung
   a) Altsämisch: Gerbung ausschließlich mit Tran (meistens Dorschtran).
   b) Neusämisch: Formaldehyd-Vorgerbung und anschließender Hauptgerbung mit Tran.

Juchtenleder Das ursprünglich echte Juchtenleder wurde in Russland der vergangenen Jahrhunderte mit Weiden- und Birkenrinde gegerbt und mit Birkenteeröl (roch daher eigentümlich stark) imprägniertes Rinds- und Kalbsleder, das geschmeidig, besonders fest, dicht, wasserabweisend und hoch strapazierfähig war.
Heute wird wasserdichtes Schuhoberleder mit ähnlichen Eigenschaften wie Juchtenleder auch als solches bezeichnet. Es kommen allerdings andere pflanzliche Gerbungen wie Mimosa oder Kastanie zum Einsatz.

Wenn sich jemand durch Zähigkeit oder großem Durchhaltevermögen auszeichnet, so wird vor allem von der älteren Generation gerne die Hochachtung und Bewunderung ausdrückende Redensart "die/der ist zäh wie Juchtenleder" verwendet.