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Lexikon der Codes - Symbole - Kurzzeichen


GALLE, GÄNSEHAUT & KALTE FÜSSE

Den Organen des menschlichen Körpers, dessen Sinne und Seele entlehnt der Volksmund etliche Sprichwörter, Sinnsprüche und Lebensweisheiten und verbindet sie mit bestimmten Eigenschaften und Gefühlen. Nachstehend eine kleine Übersicht dessen, was einem an die Nieren geht oder die Galle zum Überlaufen bringt.

 

Haare bedecken den gesamten Körper außer auf den Handinnenseiten, den Fußsohlen, den Brustwarzen sowie den Lippen.
Was die Haarfarbe, die Haarform (glatt, gewellt, gelockt) oder die Wachstumsstärke betrifft, so sind diese genetisch vorgegeben.
Es halten sich hartnäckig die Annahmen, das häufiges Baden oder Haarewaschen das Haar dichter werden lässt oder häufiges Schneiden bzw. Rasieren das Wachstum fördert. Dieser Glauben ist den Legenden zuzuordnen, denn auch hier sind genetische Anlagen ausschlaggebend.
Wenn jemand im höchsten Maße über eine Person, Sache oder Situation geängstigt, geschockt oder entsetzt ist, stehen ihm die Haare zu Berge.
Die (feinen) Körper- und Kopfhaare richten sich tatsächlich unter bestimmten Bedingungen auf. Auslöser sind kleine Muskeln in den Haarfollikeln, die Haare ohne willentliche Beeinflussung in eine senkrechte Position bringen. Die sich zusammenziehenden Muskeln bewirken, wie bei Kälte, den sichtbaren "Gänsehauteffekt".
Kopfschmerz oder Kopfweh tritt u. a. anfallsweise nach ausgiebigem Alkoholgenuss oder beim Aufenthalt in schlecht gelüfteten Räumen auf. Chronische Kopfschmerzen können jedoch Folge oder Begleiterscheinung schwerer Erkrankungen sein.
Wenn jemandem über eine Aufgabe oder eine Situation angestrengt nachdenkt, bereitet ihm das Kopfschmerzen oder Kopfzerbrechen.
Auslöser hierfür ist vermutlich eine ungünstige Körperhaltung wie vorgebeugtes Sitzen oder ein in den Nacken gelegter Kopf, was zu Verspannungen führt.
Menschen, die von sich sagen, "ich habe viel um die Ohren", stehen häufig unter anhaltend starken Belastungen bzw. Mehrfachbelastungen oder Stress.
Gerade weil man so viel um die Ohren hat, stellen sich manchmal  kurzfristige, aber auch länger anhaltende Ohrgeräusche (medizinisch: subakuter Tinnitus) ein.
Wenn jemand Augen wie ein Luchs hat, dann vergleicht man ihn mit den besonders guten Seheigenschaften  eines Luchses. Das Sehvermögen dieses katzenartigen Raubtiers ist etwa sechsmal empfindlicher als das des Menschen. Auch das Hörvermögen stellt das des Menschen weit in den Schatten.
Von Krokodilstränen weinen (oder vergießen) spricht man, wenn jemand das Weinen aus Trauer und Mitgefühl nur vorgaukelt. Ursprünglich glaubte man, dass Krokodile durch den Austritt von Tränenflüssigkeit ihre Opfer anzulocken versuchten. Spätere Forschungsergebnisse kamen zu dem Schluss, dass beim Verschlingen großer Beute das Maul extrem weit aufgerissen werden muss wobei die Tränendrüsen zusammengedrückt werden und die Tränenflüssigkeit austritt. Ein ähnlicher Effekt ist manchmal auch beim menschlichen Gähnen zu beobachten.
Wenn jemandem vor Angst, Aufregung oder Staunen die Spucke wegbleibt, dann stellt der Körper vorübergehend den Speichelfluss ein - man bekommt einen trockenen Mund. Grund ist ein nervengesteuertes Zusammenziehen der Blutgefäße in den Speicheldrüsen.

Und wenn der Speichel dann wieder reichlich fließt, kann mit Spucke und den darin enthaltenen Enzymen auch noch das Schuhleder auf Hochglanz gebracht werden.

Der Hals ist das Verbindungsstück zwischen Kopf und Rumpf. Neben den sieben Halswirbeln verlaufen hier u. a. auch die Speise- und Luftröhre.
Man hat einen Frosch im Hals, wenn die Stimme vorübergehend heiser bzw. belegt ist. Dieses Phänomen tritt häufig bei Vielrednern auf.
Diese Redensart ist auf die pralle Schwellung (hat die Form von Schallblasen von Fröschen) der Speicheldrüse (medizinisch: "Ranula", lat.: für Fröschlein) unter der Zunge zurückzuführen, die ab einer bestimmten Größe zu Sprech- und Atembeschwerden sowie zwanghaftem Räuspern führt.
Einen Kloß im Hals hat jemand, der ein Fremdkörpergefühl (Globusgefühl) im Hals-/Rachenbereich verspürt.
Dieses Gefühl stellt sich z. B. dann ein, wenn jemand vor Aufregung kaum ein Wort heraus bringt und durch ständiges Räuspern diesen "Kloß" aus dem Weg räumen will.
Ursächlich ist u. a. eine Schilddrüsenvergrößerung (Kropf), eine Rachenentzündung aber infolge von Verspannungen von Bindegewebe und Muskeln auch Stress und Depression.
Die rotbraun aussehende Leber ist mit etwa 1,5 kg - 2 kg das zentrale Stoffwechselorgan und an vielen wichtigen Aufgaben beteiligt. Sie gilt als gutmütiges und regenerationsfähiges Organ, reagiert allerdings auf Nikotin, Alkohol und einige Schmerzmittel besonders sensibel. Beim mittelalterlichen Arzt Paracelsus galt die Leber aufgrund ihrer vielfältigen Aufgaben und Fähigkeiten als der Alchimist im Bauche. Wenn jemandem eine Laus über die Leber gelaufen ist, wird die betreffende Person als missgelaunt und mürrisch beschrieben, die sich über alles und jede Kleinigkeit (dafür steht vermutlich die winzige Laus) aufregt.
Man kann aber auch frei weg von der Leber sprechen (reden) und meint damit, dass jemand ganz offen und ohne Hemmungen und Umschweife über etwas spricht. Wenn jemand von seiner trockenen Leber spricht, so spielt er damit auf die gesteigerten Durstgelüste nach alkoholischen Getränken an. Es wurde Zeit, es musste herunter von der Leber. Wenn jemand nach längerer Zeit etwas Belastendes endlich ausspricht oder gesteht, wird dieses als befreiend und erlösend empfunden.
Mensch mit Organen Die Galle ist kein Organ, sondern ein von der Leber gebildetes fettverdauendes Sekret, das in der Gallenblase gespeichert wird und bei besonders fettreichen Mahlzeiten in den Zwölffingerdarm  freigegeben wird. Die bräunlich-gelbe Farbe stammt vom Gallenfarbstoff Bilirubin.

Galle ist ein Sinnbild für Bitterkeit und wurde bereits bei der Säftelehre nach Hippokrates (ca. * 460 † 370 v. Chr.) mit cholerischen Eigenschaften verbunden.

Mir läuft die Galle über.
Im übertragenen Sinne bedeutet diese Redensart, dass die Galle bei starken psychischen Belastungen zu funktionellen (nicht krankhaften) Störungen der Gallenwege führen kann.
Gift und Galle spucken.
Galle steht sinnbildlich für Bitterkeit und bedeutet im übertragenen Sinne, gemein oder boshaft zu sein.
Jemand fühlt sich unter Druck gesetzt, wenn er glaubt, die Zeit laufe ihm davon oder unter Zugzwang steht.
Werden Menschen psychisch unter Zeitdruck oder Termindruck gesetzt oder in sonstiger Weise bedrängt, gehen diese Stresssituationen mit einem Blutdruckanstieg einher und so stehen diese Personen im wahrsten Sinne des Wortes unter Druck.
Die beiden (manchmal auch nur eine oder sogar drei an der Zahl) rotbraun aussehende Nieren haben eine bohnenförmige Gestalt und sind etwa 120 g - 200 g schwer.
Sie sind neben der Ausscheidung von Abfallstoffen auch an der langfristigen Blutdruckregulierung und Hormonbildung beteiligt.
In früheren Zeiten galten sie zusammen mit Herz und Leber als Sitz der Gemütsbewegungen.
Es geht mir (gewaltig) an die Nieren. Emotionaler Stress, Ärger oder negative Gefühle erhöhen nachgewiesenermaßen den Blutdruck und wirken aus medizinischer Sicht somit auch auf die Nieren.
Jemanden oder etwas auf Herz und Nieren überprüfen.
bedeutet, dass Jemand oder Etwas sehr gründlich geprüft oder untersucht wird.
Diese Redensart hat ihren Ursprung in der Bibel (u. a. NT, Psalm 7, 10) und zielt auf die Überprüfung des Inneren eines Menschen ab:
Ein Ende nehme die Bosheit der Gottlosen, aber dem Gerechten gib Bestand, der du Herzen und Nieren prüfst, gerechter Gott!
In früheren Zeiten glaubte das Volk, dass sich nachts im Schlaf ein koboldhaftes Wesen, der Alb, auf die Brust setze und ein Gefühl von Angst und Beklemmung hervorrufe. Wenn heutzutage jemand eine schwere seelische Last zu tragen hat und als Folge davon unter bedrückenden und beklemmenden Gefühlen leidet, "liegt ihm etwas auf der Brust".
Diesem Gefühl liegt in der Regel kein organisches Leiden zugrunde, sondern es ist vielmehr auf angespannte Muskel- und Bindegewebefasern zurückzuführen.
Mit dem Bauch werden emotionale Empfindungen und Instinkte in Verbindung gebracht.
So wird beispielsweise von einer "inneren Stimme", "aus dem hohlen Bauch heraus entscheiden" oder von "Wut im Bauch haben" gesprochen.
Ein voller Bauch studiert nicht gern geht auf das lateinische Sprichwort "plenus venter non studet libenter" zurück und bedeutet, dass ein satter Mensch träge und denkfaul ist.
Hintergrund ist, dass beim anstrengenden Verdauungsvorgang vermehrt Blut zum Magen-Darm-Trakt geleitet wird und gleichzeitig das Gehirn weniger durchblutet wird. Man wird müde und träge, das Denkvermögen ist eingeschränkt.
Wenn jemand den Finger auf oder in die offene Wunde legt, will er im übertragenen Sinne durch das Berühren dieser hochempfindlichen Stelle einen wunden Punkt ansprechen bzw. auf ein bestehendes Übel deutlich hinweisen.

Aufgrund verstärkt ausgeschütteter Hormone wird von Verliebten eine eingeschränkte Wahrnehmungsfähigkeit gegenüber den umgebenden Mitmenschen als auch dem Partner gegenüber nachgesagt. Die so Ergriffenen nehmen die Schwächen des anderen nicht wirklich wahr. Sie sind "blind vor Liebe".

Diese Phase wird unter anderem mit einem kribbelnden bis elektrisierendem Glücksgefühl in der Bauchgegend beschrieben. Die Befallenen haben "Schmetterlinge im Bauch".
Dieser Ausnahmezustand ebbt nach einigen Monaten wieder ab und der normale Alltag kehrt ein. Dann wird der Partner mit all seinen Vorzügen und Schwächen aus einem anderen Blickwinkel wahrgenommen und neu eingeordnet.

Aus medizinischer Sicht frieren wir an den äußeren Extremitäten wie Hände und Füße bei tiefen Temperaturen am schnellsten. Dieses ist eine Schutzreaktion des Körpers, der die dortigen Blutgefäße verengt um das Blut verstärkt ins empfindliche Gehirn sowie die Körpermitte mit seinen lebenswichtigen Organen zu leiten.
Wenn jemand kalte Füße bekommt, dann hat jemand, so die umgangssprachliche Deutung, Bedenken oder sogar Angst vor etwas.
Die Redewendung geht wohl darauf zurück, dass man einen Spaziergang bei niedrigen Außentemperaturen vorsorglich abbricht, bevor man kalte Füße und als Folge davon eine Erkältung bekommt.