CODE - Knacker

Lexikon der Codes - Symbole - Kurzzeichen

URINWERTE

Neben der Auswertung von Blutwerten als Diagnosemittel, müssen bei bestimmten Vorsorgeuntersuchungen oder vermuteten Krankheiten die Urinwerte (Harnwerte) als alleiniges oder zusätzliches Diagnosemittel herangezogen werden. Besonders bei Krankheitsbildern die den Harntrakt (Nieren, Harnleiter, Harnblase, Harnröhre) betreffen wie Harnwegsinfektionen (HWI). Für diese Organe ist als Facharzt der Urologe besonders ausgebildet und damit zuständig.

Urin ist ein Stoffwechselabfallprodukt des Körpers, der über die Nieren als sterile Flüssigkeit über die Harnleiter geleitet, in der Blase gesammelt und durch die Harnröhre ausgeschieden wird.

Die tägliche Urinmenge gesunder Menschen beträgt etwa 1 - 1,5 Ltr. und ist üblicherweise von hellgelber Farbe. Er besteht zu 95 % aus Wasser und die restlichen 5 % neben Elektrolyten (Natrium, Kalium, Chlorid) aus gelösten Stoffwechselabfallprodukten des Körpers.

 

Beim Betreten einer urologischen Praxis kann man manchmal die von Patienten abgegebenen Urinproben in Urineinmalgefäßen zur Beschriftung und Abholung bereitgestellt stehen sehen und dabei fallen gleich die unterschiedlichen braunen und gelben Farbnuancen auf. Urin zu diagnostischen Zwecken heranzuziehen, wurde bereits im Altertum praktiziert. Seinerzeit wurden aus Geruch, Trübung und Farbe Rückschlüsse auf Erkrankungen gezogen. Diese Sichtdiagnostik ist auch heutzutage noch Bestandteil der Urindiagnostik und gibt erste Hinweise auf bestehende Erkrankungen bei Abweichungen vom üblicherweise hellgelben, klaren Urin.

 

Harnschau
hellgelber Urin wasserklarer Urin trüber Urin rot-orange-farbiger Urin gelb-grüner Urin braun-schwarzer Urin dunkelgelber bis orange-farbiger Urin roter Urin
hellgelber Urin wasserklarer Urin trüber Urin rot-orangefabener Urin gelb-grüner Urin braun-schwarzer Urin dunkelgelber bis orangefarbener Urin roter Urin
Normale Farbe frischen Urins.
Die Farbe des Urins stammt übrigens vom Abbauprodukt des roten Blutfarbstoffes Hämoglobin.
 
Morgenurin ist etwas dunkler, da er in konzentrierterer Form vorliegt.
Polyurie
(hohe Urinproduktion,
> 2,5 l/Tag,
So wie bei bestehendem Diabetes oder besonders hoher Trinkmenge.
Pyurie
(dem Harn beigemengter Eiter)
Gilt als Hinweis auf eine bestehende Harnwegsinfektion, die in der Regel von einem Brennen beim Wasserlassen begleitet wird.
Färbung von Speichel und Urin bei der Einnahme des Antibiotikums "Rifampicin". Biliverdin
(grünes Hämoglobin-Abbauprodukt, dass vorzugsweise bei bestehender Hepatitis oder Leberzirrhose auftritt.)
Tritt speziell bei der Parkinson-Medikation auf. Bilirubinurie
(erhöhte Ausscheidung von Bilirubin wie bei einer bestehenden Hepatitis).
Diese Färbung tritt auch bei Fieber auf.
Dunkelgelber Urin ist auch Folge eines allgemeinen Flüssigkeitsmangels und sollte nach Erhöhung der Trinkmenge wieder hellgelb werden.
Hämaturie
(vermehrtes Vorkommen von roten Blutkörperchen. Ärztliche Abklärung notwendig!).
Rotfärbung auch nach dem Verzehr bestimmter Nahrungsmittel wie Rote Bete, Heidelbeeren, Brombeeren, Rhabarber.
Rotfärbung auch typisch bei Muskelverletzungen oder Bleivergiftungen.
Viele Medikamente oder Vitamingaben verursachen Urinfärbungen. Daher im Beipackzettel nach dieser Urinfärbungen gezielt suchen.

Beim Auffangen des zu untersuchenden Urins muss der Mittelstrahl des Morgenurins verwendet werden. Damit wird sichergestellt, dass beim Anfangsstrahl noch vorhandene Keime weitestgehend aus der Harnröhre gespült werden und die Untersuchungsflüssigkeit so gering wie möglich keimbelastet ist.


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Teststreifen (U-Stix) für die Harn-Erstuntersuchung

Frei verkäufliche Harn-Teststreifen sind aufgrund der einfachen Handhabung zur Selbstkontrolle und Therapieüberwachung gut geeignet. Innerhalb von 1 bis 2 Minuten kann anhand auftretender Verfärbungen in den Testfeldern beim Harnkontakt schnell festgestellt werden, ob bestimmte Substanzen oder Bakterien im Urin enthalten sind, die u. a. erste Anzeichen von Leber-, Diabeteserkrankungen oder Harnwegsinfekten aufdecken können. Bei Auffälligkeiten ist im nächsten Schritt die Urinflüssigkeit beziehungsweise das Urinsediment labormedizinisch auf die vorhandene Menge der Substanzen zu untersuchen und zu bewerten.

Hinweis! Sehr hohe Ascorbinsäurekonzentrationen (Vitamin-C) im Urin verfälschen einige Werte.

 

Urin-Referenzwerte für Erwachsene (Spontanurin - SpU)

Substanz/Wert Bedeutung Referenzbereich

Sediment (SED)

Zentrifugierter Urin, der so behandelt unter dem Mikroskop untersucht werden kann. entfällt

Erythrozyten
(ERY, ERYU)

Erythrozyten = rote Blutkörperchen.
Erhöhte Anzahl von Erys bei Harnwegsinfektionen oder Nierenverletzungen sowie Verletzungen des Harntraktes. Auch die Einnahme von blutverdünnenden Medikamenten kann als Ursache infrage kommen.
Ergebnisse sind immer in Zusammenhang mit anderen Untersuchungsmethoden zu bewerten.
0 – 2 (Mikroskop)
0 – 5/μl

Leukozyten
(LEUK, LEUKU)

Leukozyten = weiße Blutkörperchen.
Erhöhte Werte sind Hinweise auf Nieren- und Harnwegsinfektionen. Zur Identifizierung des vorliegenden Bakteriums folgt grundsätzlich eine mikroskopische Untersuchung und/oder die Anlage einer Bakterienkultur.
< 5 (Mikroskop)
♂ 0 – 1/µl   ♀ 0 – 5/µl
Bilirubin (BIL) Bei Gesunden ist Bilirubin im Urin nicht nachweisbar.
Ein positiver (pos. oder +) Befund ist ein Hinweis auf Gelbsucht oder Hepatitis.
negativ (neg.)

Urobilinogen
(UBG)

Erhöhte Werte sind Hinweise auf eine gestörte Leberfunktion wie bei einer bestehenden Hepatitis.
Fehlendes Urobilinogen ist ein Hinweis auf Verschluss des Gallengangs.
1 mg/dl
≈ 1 Ehrlich-Einheit) /dl

pH-Wert (Säuregrad)

Säure-Base-Status
pH < 5 Hinweis auf eine unbehandelte Diabetes, Durchfall, Gicht;
pH > 8 Hinweis auf einen Harnwegsinfekt. Hoher Wert auch bei Vegetariern.
Urin wird auch stark alkalisch wenn er abgestanden ist.
pH 5 – 6

Spezifisches Gewicht
(SG) oder Dichte

< 1.010 niedrig (hohe Urinverdünnung)
> 1.025 hoch     (hohe Urinkonzentration)
1,010 – 1,025 kg/l

Nitrit (NIT)

Bei Gesunden ist Nitrit im Urin nicht nachweisbar.
Ein positiver Befund ist ein Hinweis auf Nieren- und Harnwegsinfektionen.
negativ (neg.)

Keton
(KET, KETO)

Positiv bei Diäten, beim Fasten, bei einem verstärkten Fettabbau, bei einer Schilddrüsenüberfunktion oder wenn das Stoffwechselprodukt des Medikamentes L-Dopa vorhanden ist. negativ (neg.)

Protein (Eiweiß)

Erhöhte Werte treten unter anderem bei eingeschränkter Nierenfilterfunktion wie bei Diabetes und Hypertonie auf. 2 – 8 mg/dl

Glukose (Harnzucker)
(GLUC)

Überwachungsparameter bei bestehendem Diabetes.
Erhöht sind die Werte auch während der letzten 3 Schwangerschaftsmonate.
< 15 mg/dl

Kreatinin
(KREA)

Stoffwechselabbauprodukt der Muskelzellen. Wert ist bei fleischreicher Kost erhöht.
Dient zur Beurteilung der Nierenfunktion.
36 – 130 mg/dl
(von Urinkonzentration, Alter, Geschlecht und Größe abhängig)

Albumin
(ALB)

Erhöhte Werte treten unter anderem bei eingeschränkter Nierenfilterfunktion wie bei Diabetes und Hypertonie auf. Der Albumin-Wert zeigt bereits sehr früh eine beginnende Nierenschädigung an.
Mikro-Albuminurie (leicht erhöhte Werte): 20–200 mg/l
Makro-Albuminurie (deutlich erhöhte Werte): > 200 mg/l
< 20 mg/l

Clearance
(CRLC)

Beschreibt die Entgiftungsleistung der Nieren unter Berücksichtigung unterschiedlicher Körpermassen. 80 - 160 ml/min

MYO

Myoglobin

[Dient zur Diagnose eines Herzinfarktes und dessen weitere Verlaufskontrolle]

0,3 mg/l

CEA

(Tumormarker)
(CEA = carcinoembryonales Antigen)
Hohe Werte sind bei einem Karzinom vorhanden
< 3,4 ng/ml

NMP22

(Tumormarker)
(NMP22 = nukleäres Matrixprotein 22)
Früherkennung eines Harnblasenkarzinoms.
Positive Befunde müssen abgeklärt werden.
negativ (neg.)

Chlamydien (Chlam)

Sexuell übertragene Chlamydieninfektion.

negativ (neg.)

Schwangerschaftstest
(Ovulationstest)

(Tumormarker)

Es wird das Hormon HCG (Humanes Choriongonadotropin) bestimmt. Beim Teststreifen "positiv (pos.)", "negativ (neg.)".

 

Wenn keine Schwangerschaft besteht, kann eine Erhöhung durch einen Tumor (Bauchspeicheldrüsen-, Eierstock- oder Magenkrebs) verursacht sein.

Schwangerschaft positiv ab 80 IU/l.

Männer, sowie Frauen vor der Menopause < 5 IU/l;

Frauen nach der Menopause < 10 IU/l).

 

Referenzwerte des Umweltbundesamtes für Metalle im Urin

Substanz/Wert Alter (Hinweise) Referenzbereich

Antimon (Sb)

Kinder 3 bis 14 Jahre 0,3 μg/l

Arsen
(As)

Kinder 3 bis 14 Jahre und Erwachsene 18 bis 69 Jahre
(ohne Fischverzehr 48 Stunden vor der Probenahme)
15,0 μg/l

Cadmium
(Cd)

Kinder 3 bis 14 Jahre (nicht aktiv rauchend)
0,2 μg/l
Erwachsene 18 bis 69 Jahre (Nichtraucher) 0,8 μg/l

Nickel
(Ni)

Kinder 3 bis 14 Jahre
4,5 μg/l
Erwachsene (jedoch kein streng repräsentatives Referenzkollektiv) 3 μg/l

Quecksilber
(Hg)

Kinder 3 bis 14 Jahre (ohne Amalgamfüllungen)
0,4 μg/l
Erwachsene 18 bis 69 Jahre (ohne Amalgamfüllungen) 1,0 μg/l

Platin (Pt)

Erwachsene 18 bis 69 Jahre (ohne Inlays, Brücken, Kronen aus Edelmetallen) 10 ng/l

Thallium
(Tl)

Kinder 3 bis 14 Jahre 0,6 μg/l
Erwachsene 20 bis 29 Jahre 0,5 μg/l

Uran
(U)


Kinder 3 bis 14 Jahre 40 ng/l
Erwachsene (jedoch kein streng repräsentatives Referenzkollektiv) 30 - 60 ng/l
Quelle: Umweltbundesamt, Referenzwerte (RV95) für Antimon, Arsen und Metalle (Pb, Cd, Ni, Hg, Pt, Tl, U) im Urin oder im Blut, Stand: 01/2012

 

 

Urin-Referenzwerte für Erwachsene (24-Stunden-Sammelurin - SU)

Während der Urinsammelzeit und 48 Stunden davor dürfen bestimmte Lebensmittel nicht verzehrt werden, da diese ansonsten das Ergebnis verfälschen oder unbrauchbar machen würden. Hierzu gehören Ananas, Auberginen, Avocados, Bananen, Johannisbeeren, Melonen, Mirabellen, Pflaumen, Stachelbeeren, Walnüsse, Zwetschgen und Tomaten.
Gegebenenfalls müssen bestimmte Medikamente nach Rücksprache mit dem Arzt vorübergehend abgesetzt werden.

Substanz Bedeutung und beispielhafte Krankheitsbilder Referenzbereich

Natrium (NA)

Natrium spielt in der Verbindung mit Kalium und Chlorid eine wichtige Rolle bei der Regulierung des Wasserhaushaltes im Körper und damit auch bei der Regulierung des Blutdrucks.

Eine verminderte Natriumzuführung ist Ursache von zu hohen Wasseransammlungen im Gewebe.

Bei einer zu hohen Trinkmenge (> 5 l/Tag) besteht die Gefahr der Verdünnungshyponatriämie (Störung der Flüssigkeits- und Elektrolytbalance), die mit einem niedrigen Natriumspiegel (Serum-NA < 135 mmol/l) im Blut einhergeht.

Das durch sportliche Aktivitäten verstärkte Schwitzen (tritt oft bei Ausdauersportarten wie Marathonläufern, 13 - 18 %, auf) bedeutet einen erhöhten Kochsalzverlust über Schweiß und Urin. Wenn jetzt zusätzlich zur individuell erforderlichen Trinkmenge weiter getrunken wird, kommt es zu einer übermäßigen Verdünnung des Blutes, was zu Muskelkrämpfen, Herzrhythmusstörungen, Verwirrtheit, Koma oder lebensbedrohenden Gehirnödemen führen kann. Hier kann auch das Trinken natriumhaltiger Getränke den Verlust oft nicht ausgleichen.

90 – 250 mmol

Kalium (K)

Erbrechen, Durchfall, Diuretika oder die übermäßige Einnahme von Abführmitteln  lassen den Kaliumspiegel absinken.
Bei Verstopfung oder Herzrhythmusstörungen ist der Kaliumspiegel erhöht.
50 – 70 mmol

Chlorid (CL)

Niedrige Werte sind für bei einer Herzinsuffizienz (Herzschwäche) vorzufinden.
Erhöhte Werte liegen bei zu hoher Kochsalzzufuhr vor.
100 – 250 mmol

Kalzium (CA)

Niedrige Werte weisen auf einen Vitamin-D-Mangel hin (Nahrung, wenig Sonnenlicht), hoher Werte auf eine Vitamin-D-Überdosierung 2,5 – 7,5 mmol

Magnesium (MG)

Magnesiummangel führt zu Herzrhythmusstörungen, Muskelkrämpfe, Schwindel oder Depression.
Ein zu hoher Magnesiumanteil verursacht Herzrhythmusstörungen und Blutdruckabfall.
2 – 8 mmol

Phosphat (PHOS)

Ein niedriger Phosphatwert ist u. a. für Niereninsuffizienz und Vitamin D-Mangel die Ursache.
Ursache erhöhter Phosphatwerte bestehen bei Knochentumoren.
16 – 58 mmol

Sulfat

Hohe Werte fördern die Bildung von Harnsteinen. 20 mmol

Kupfer (CU)

Bei Mangelernährung ist das Spurenelement Kupfer in unzureichender Menge vorhanden.
Leberzirrhose oder eine bestehende Schwangerschaft sind Ursache für erhöhte Werte.
0,16 – 0,94 µmol

Zink (ZN)

Ein Zinkmangel kann zu verzögerter Wundheilung, erhöhter Infektanfälligkeit sowie zu Wachstumsstörungen bei Kindern führen.
Erhöhte Werte sind Ursache von Bluthochdruck und Schilddrüsenüberfunktion.
300 – 800 µg

Harnsäure (HS)

Erhöhte Werte liegen bei purinreicher (z.B. Innereien, Hülsenfrüchte, Ölsardinen, Sprotten) Nahrungszuführung vor, die zu Gicht führen kann.
Niedrige Werte sind Ursache von Austrocknung sowie Leber- und Krebserkrankungen.
0,3 – 0,8 g

Harnstoff (UREA)

Niedrige Werte sind Ursache von Lebererkrankungen oder Folge vegetarischer Ernährung.
Bei vorhandenen Nierensteinen ist der Wert erhöht. Ebenso bei eiweißreicher Ernährung, Fieber und Durchfall.
20 – 35 g

Protein (Eiweiß)

Erhöhte Werte sind u. a. bei bestehender Herzinsuffizienz Leberzirrhose
Bei einer Protein-Aussauscheidung von > 150 mg/Tag (Proteinurie) ist dieses u. a. Folge von Blut- oder Lymphdrüsenkrebs oder HIV- sowie Hepatitisinfektionen.
< 150 mg

Osmolalität

Abklärung einer bestehenden Polyurie (krankhaft erhöhte Harnmenge) 50 – 1200 mosmol/kg

Da unter den Laboren unterschiedliche Bandbreiten bei den Urin-Referenzwerten bestehen, unter anderem auch aufgrund unterschiedlicher Messmethoden, sind alle Angaben ohne Gewähr und erheben keinen Anspruch auf Vollständigkeit.

"Alle Hinweise auf dieser Seite dienen nur der allgemeinen Information und nicht der Selbstdiagnose, geben keine Therapieempfehlungen und ersetzen keinen Arztbesuch!"